IM INTERVIEW: VINYLMOND

01.07.2020 (Interview: Anna Meißner)

„Stell dir vor, es gäbe keine Nacht. Die Sonne hat den Mond einfach umgebracht. Es ist immer hell, selbst in der dunkelsten Straße, alle sind wach und können nicht schlafen. Stell dir vor, es gäbe keine Nacht. Tag Sonne Tag und immer nur Licht, gib mir den Mond zurück! Ich will das nicht!“. (Text: Tag Sonne Tag). Den Mond können wir weder verschwinden lassen noch wieder zurückgeben. Doch ob im Hellen, im Dunkeln, auf der Straße oder auf dem Mond, wo ihr gerade auch seid: Wir stellen euch Vinylmond vor!

70er & 80er & 90er & so weiter 

Als progressiver Retro-Sound, als lunapop wird die Musik von Vinylmond benannt. Wilfried beschreibt sie als einen Mix aus Soul-, Jazz-, manchmal auch Rock-Elementen, als etwas Besonderes, was in keine Schublade passt. Im Mittelpunkt stehen die deutschen Texte, meistens von Rahel verfasst. Lyrik, Gedichte, die im Zentrum den Musik-Mix garniert. „Die Ursache für diesen neuen Mix liegt in der Unterschiedlichkeit der Richtungen der einzelnen Musiker. Da gibt es ein ziemlich großes Spektrum“, sagt Markus. Strömungen aus den 70ern, durch Martin, mit seiner Rock-Gitarre, Strömungen aus den 80ern, durch Markus aus der Pop- und New-Wave-Generation, Strömungen aus den 90ern durch Wilfried, aus dem Progressiv-Rock-Bereich, und Rahels Hintergründe als klassische Singer-Songwriterin vereinen sich in Vinylmond. 

Experiment und Endprodukt

Und innerhalb dieser ganzen Strömungen wird experimentiert, Inspirationen werden ausgetauscht, Ideen eingebracht. „Natürlich muss man zwischendurch auch immer wieder gucken, wer redet gerade am meisten, wer ist am lautesten. Aber ich denke, dass wir immer einen guten Weg finden, wie sich jeder einbringen kann.“, so Rahel. Als „urdemokratische Band“ bezeichnet dies Wilfried, als Ort, wo Ideen sprudeln und sich gegenseitig befruchten können. Das Endprodukt bleibt so sehr flexibel. „Wir haben einen reichen Fundus, weil die vielen kreativen Inputs da sind, wir müssen nicht jeden Song fertig schreiben“, erklärt Markus. Ein Wiedererkennungswert, ein gewisser Stil, ist deutlich wahrnehmbar, aber Rahel sagt weiter, dass auf einer Platte kein Song wie der andere ist: Spannend sei eben gerade, dass jeder Song ein Einzelwerk ist. Nicht zuletzt entsteht diese Individualität durch den Einsatz einer Vielzahl an Instrumenten, wie Kontrabass, Harmonium oder digitaler Sounds. Schlagzeuger kamen und gingen, ein Akkordeon-Gastspiel habe ich auch entdeckt. Seit viereinhalb Jahren gibt es die Band nun, die trotz aller Vielfalt in dieser Konstellation ein eingespieltes Team ist, weit über das musikalische Projekt hinaus, so Rahel.

VINYL und MOND

„Es kann nicht immer nur die Sonnenseiten im Leben geben. Es geht für mich viel weniger darum, zu akzeptieren, dass nicht immer alles schön ist, sondern zu sehen, dass darin etwas Gutes liegt. Dass es genau darum geht, dass es Sonne und Mond gibt und der Mond eine andere Tiefe herstellt und dadurch einen Bezug zu der Schönheit legt. Gerade weil man durch Tiefen geht, weil man über gewisse Entwicklungsprozesse und Paarungen in etwas Schönes hineinwachsen kann.“, sagt Rahel über den Text des Liedes Tag Sonne Tag. Die Band besingt den Mond, Markus beschreibt ihn als einen Freund, der sie begleitet. „Ganz hinten hinter der Schrankwand sitze ich nun, ich kann mich nicht bewegen und will es auch gar nicht tun.“, beginnt das Lied Vinylmond, nach dem sich die Band benannte. Am Ende des Liedes erklingt ein Sample, ein Rauschen und Knistern, welches an das Ende eines Vinylplattendurchlaufs erinnert. Die Texte erzählen vom Mond und vom Wahnsinn, vom hinterm Schrank verstecken und vom Auseinandersetzen mit sich selbst.  

TANZ und TRANCE

Es ist schwer für die Bandmitglieder zu erfühlen, wie sich das für Konzertbesucher anhört. Ein Publikum, zwischen Tanz und Trance, fragt sich bei Konzerten zum einen: Was singt sie eigentlich wirklich? und tanzt dann doch wieder auf die Vielzahl von Sounds und Instrumenten. Das meiste sind Zuhör-Songs, die unter anderem bei Wohnzimmer-Konzerten vor wenigen, 15 bis 30, Zuhörenden intensiv betrachtet werden, bis Dialoge entstehen. Bei größeren Konzerten wie im letzten Jahr auf der Bühne des Schlachthof-Wintermarktes herrscht ein buntes Treiben und es ist schwerer, die Menschen exklusiv einzubinden. Doch die, die ganz vorne stehen, sind dann doch bei der Band, hören und tanzen. Einen kleinen Fanclub im Taunus gibt es auch, der die Texte kennt und hinterher reist. Ganz unterschiedlich sehen so die Auftritte der Band aus, ob auf einem Nachbarschaftsfest in Bierstadt, im [Das] Lokal am Sedanplatz, auf einer Finissage eines Wiesbadener Kunstvereins oder beim Weihnachtskonzert in Rahels eigener Wohnung. Das Wichtigste: Die Menschen sind offen für die Musik.

Weiteres zu Vinylmond findet ihr hier:
Instagram: https://www.instagram.com/vinylmond
Facebook: https://www.facebook.com/vinylmond 
Website: www.vinylmond.de

Auf Soundcloud findet ihr außerdem Teaser zur ersten EP "Zündung", die im letzten Monat erschienen ist, sowie zu weiteren Songs.

  

Außerdem sprachen wir mit Vinylmond über die Jazz-Szene in der Region, was gegen das Club-Sterben getan werden kann und über weitere Band-interne Details. Das komplette Gespräch zum Nachhören wollen wir euch nicht vorenthalten.

DAS AUSFÜHRLICHE INTERVIEW ZUM NACHHÖREN