IM INTERVIEW: SCHALLBRÜCKE

01.06.2020 (Interview: Anna Meißner)

Schallbrücke, das sind Dennis, Jari, Stefano und Hendrik aus Taunusstein, das ist eine Rockband mit Texten in deutscher Sprache. Im Gespräch lüfteten die vier das Geheimnis um den Namen ihrer neuen EP und sprachen über „feine Leute“, Digitalisierung und das Kranzplatzfest.

 

Ihr habt eine neue EP angekündigt, aber noch nicht verraten, wie sie heißen soll. Warum seid ihr damit so geheimnisvoll?

Jari: Das ist ein gutes Thema, weil wir gerade nochmal drüber gesprochen haben, ob wir das in diesem Zuge mit preisgeben. Und das haben wir auch vor: Also unsere EP wird Niemandsland heißen. Die EP sind wir gerade aktiv am Aufnehmen, unser erster Song ist gerade in der Corona-Zeit aufgenommen worden - was auch für uns eine komplett neue Erfahrung war, weil das jeder von zu Hause aus macht, mit dem, was er gerade da hat. Aber das Ergebnis hat trotzdem in unserem Kreis überzeugt und deshalb machen wir jetzt auch weiter. Wir hoffen, dass wir sie Mitte des Jahres, Ende des Jahres fertig stellen können.

 

Was ist mit Niemandsland gemeint? Etwa Taunusstein?

Dennis: (lacht) Könnte man meinen.

Jari: Tatsächlich kam mir die Idee, als ich im Kino war. Ich glaube der Film heißt 1917, der findet im Ersten Weltkrieg statt. Das klingt jetzt ein bisschen makaber, aber Niemandsland wird das Stück zwischen zwei Fronten genannt, weil das keinem Land zugeordnet ist. Ich fand den Namen und die Assoziationen dazu sehr inspirierend. Und da hab‘ ich die Jungs gefragt: „Was haltet ihr davon, wenn wir unser Album so nennen?“. Wir haben auch danach einen neuen Song geschrieben, der „Niemandsland“ heißt. Aber da kann am besten der Dennis was zu sagen, weil er bei uns überwiegend, 90 bis 100 Prozent, die Texte schreibt.

Dennis: Die 90 bis 100 Prozent Lorbeeren möchte ich da nicht einsammeln. Ich hab‘ auch Hilfe von Hendrik, beziehungsweise: Hendrik, das können wir mal wieder zusammen machen, es ist an der Zeit! (Hendrik lacht). Ich finde Niemandsland ist ein super weitgefächerter Begriff, er hat für uns ganz viele Facetten. Wir sind eine Band, die schon immer sehr metaphorisch geschrieben hat, die den Leuten die Chance gibt, ihre eigenen Bilder in den Text reinzumalen. Für uns ist das halt ein bisschen aufgezogen in Richtung Digitalisierung, dass man wirklich vorsichtig damit umgehen muss und dass man das Leben, außerhalb von irgendwelchen Messengern und so, auf keinen Fall vergessen sollte, weil vieles um einen herum passiert und man vieles wirklich nicht mitbekommt. Das ist die Bedeutung des Songs. Wir haben noch nie eine besonders politische Botschaft verteilt, wir haben immer einen sehr menschlichen Blick auf die Kunst, die wir machen und probieren mit einem gesunden Menschenverstand an die Sachen ran zu gehen. Da fühlt man sich auch teilweise ein bisschen wie im Niemandsland.

Metaphorisch und die Sicht auf Menschen – dazu passt ja auch euer erster Song, den ihr jetzt schon veröffentlicht habt: „Feine Leute“. Was sind denn feine Leute für euch?

Dennis: Feine Leute, ach das sind… wie soll ich das sagen? Es gibt Leute, egal wo das jetzt ist, aber es gibt überall so eine Entourage, die mehr Schein als Sein ist und das ist halt sehr unehrlich, das ist so gekünstelt freundlich und das ist irgendwie nicht cool.

Ihr sagt in dem Song auch: „Willkommen im Land der feinen Leute“. Meint ihr, das ist ein aktuelles Problem, auch hier in der Region, und in welchem Land lebt ihr denn dann?

Dennis: Wie, welches Land? (alle lachen) Ach, das hast du metaphorisch gemeint! 

Jari: Ich finde, das Schöne an unserer Musik ist, dass jeder einen Freiraum hat und jeder, wie bei einer Gedichtinterpretation, den Gedanken freien Lauf lassen kann. Es gibt kein Richtig und Falsch, kein schwarz und weiß, sondern viele Graustufen dazwischen, und da kann man viel reininterpretieren.

Hendrik: Es gibt aber auch eine herrschende Interpretation. Das passt ja auch ein bisschen zu dem Niemandsland-Thema, mit der Digitalisierung et cetera, dass die Mehrheit der Leute dazu tendiert immer oberflächlicher zu werden und an Tiefgründigkeit verliert, also keine echten Gedanken, Gefühle und auch Integrität mehr hat. Deshalb bedeutet das Land der feinen Leute auch für mich, dass man aufpassen muss, nicht in der Masse zu versinken, in der Masse der Bedeutungslosigkeit. 

Dennis: Bei dem Text an sich habe ich auch Gesichter im Kopf gehabt. Ich glaube, man kann das sehr breitflächig anwenden. Klar, wenn man sich unterhält, unterhält man sich auch mal über andere Leute. Und da ist immer die Frage, ob das wohlwollend oder eiskalt ist. Das ist für mich dieses „feine Leute“.

 

 

Also suchst du dir emotionale Grundlagen aus deiner Realität, deinem Alltag, um tiefgründige Texte zu schreiben?

 

Dennis: Also oftmals dient als Grundlage für mich eine Emotion, ein Thema, das mich beschäftigt. Meistens ist es so, dass aus diesem Thema ein bestimmtes Schlagwort entsteht. Ich setze das gerne metaphorisch um, sodass ich nicht sage: „Der oder die ist doof!“. Man kann das halt einfach ein bisschen künstlerisch aufziehen. Mein Teil von den Texten war immer so, dass ich schon Sachen verbaut habe, die ich wirklich erlebe. Ich bin auch kein Fan von Kunst, die irgendetwas beschreibt, was man so gar nicht erlebt hat, und wenn man über etwas spricht, was man so gar nicht erfühlt hat. 

Jari: Dennis hat auch mal gesagt - das habe ich verinnerlicht und das habe ich schon von vielen Musikern gehört - wenn er Emotionen durchlebt, die gerade auch mal negativ sind, dass er dann die besten Songs schreibt. Die besten Songs werden tatsächlich dann geschrieben, wenn man harte Zeiten durchlebt oder emotional an einem Tiefpunkt ist.

Dennis: Also ich glaub‘, das Ding ist, man kann schon auch aus positiven Emotionen Musik machen. Weil, ich mein‘, es gibt ja schon viele Künstler, die eher eine positive Stimmung verbreiten. Aber Schallbrücke war auch schon immer so, dass wir kritisch auf was geguckt haben und haben irgendwie unseren Senf dazu geben. 

Jari: Das sollte jetzt auch nicht so klingen, als wären wir negativ, permanent. Bei uns kann man auch Positives reininterpretieren. 

Dennis: In meiner Freizeit weine und schreibe ich viel (lacht).

 

Wiesbadener können euch vom Stadtfest oder vom Kranzplatzfest im letzten Jahr kennen, da habt ihr gespielt. Nun sagt ihr, tiefgründige, metaphorische Texte seien euch wichtig. Ihr singt auf Deutsch, sodass viele Besuchende dieser Feste eure Texte verstehen. Wie empfindet ihr diese Auftritte, wie nehmen die Zuschauenden eure Songs auf diesen Festen wahr?

Jari: Es gab am Kranzplatzfest ein paar lustige Menschen, die wir angetroffen haben. 

Stefano: Wir haben da recht früh gespielt und da waren morgens oder vormittags schon Leute da, die einen gewissen Dampf auf dem Kessel hatten. Das sind jetzt eigentlich nicht die Hauptfans, die waren einfach da. Denen hat es auch ganz gut gefallen, die sind drauf abgegangen. Wir haben zwar Texte, die tiefgründig und metaphorisch sind, aber ich denke nicht, dass es einen Abbruch in der Stimmung tut - im Gegenteil. Wir sind jetzt keine Punk-Band, wo ein Moshpit nach dem anderen aufgeht vor der Bühne, aber wir können trotzdem, auch für Leute, die nur auf Party aus sind, eine gute Stimmung generieren. Zumal, weil die Texte eben auf Deutsch sind, und sie diese verstehen, auch wenn sie ein bisschen mehr getrunken haben. Wir können das gut vereinen. 


Hendrik: Es hat ja auch die Power. Nach ein, zwei Liedern sind die Leute warm und erkennen vielleicht auch, dass da was mit Wiedererkennungswert dabei ist und irgendwas, was ne tiefere Bedeutung hat, was sie nicht schon tausendmal gehört haben. Viele Leute wissen das auch zu schätzen, aber man kann es nie allen recht machen. 


Dennis: Ich hab‘ gerade bei deutschen Texten das Gefühl, dass sich Leute das mehr anhören, wenn sie dafür wirklich Zeit haben, also sagen, ich mach mir jetzt mal die Kopfhörer rein. Es ist eher so die Gesamt-experience. Was auch so ein Punkt ist: Man unterschätzt, wie individuell Musik ankommt bei Menschen. Es gibt manche, die den Text hören, und es gibt andere, die denken: „Ah, hör dir den Gitarren-Sound an, oder den Bass“. Das kommt so unterschiedlich durch die Filter bei den Leuten an, dass man selbst überhaupt nicht versteht, was da gerade resoniert bei den Leuten vor der Bühne. 

Jari: Wir haben ja auch sehr melodische Stücke. Und was ich auch nochmal sagen wollte, dass wir gerade bei kleinen Kindern irgendwie sehr gut ankommen, die toben immer vor der Bühne rum, hüpfen, tanzen und was weiß ich. Ist mir schon oft aufgefallen und freut mich auch immer sehr.

Wenn ihr wissen wollt, was Schallbrücke für die Zukunft plant, was der Bandname eigentlich bedeutet und wie in Corona-Zeiten auch Songs von zu Hause aus aufgenommen werden können, hört euch das Interview in voller Länge unter dem Steckbrief an.

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Steckbrief

 

Name:

Schallbrücke – das sind Dennis (Sänger, Leadgitarre), Jari (Schlagzeuger, Background-Sänger), Stefano „Stef“ (Bass) und Hendrik (Rhythmusgitarre, Synthesiser)

 

Wohnort:
Wiesbaden (Taunusstein, Idstein)

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Genre:
Rock, Ambient-Rock, Artrock

 

Gegründet:

2016 (2009 schon einmal in derselben Konstellation, vorheriger Bandname: Nakophob)

 

Ausgehtipp:

„In Taunusstein der Rewe ist ganz cool!“, Das Wohnzimmer, GMZ (Georg-Buch-Haus)

 

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