IM INTERVIEW: PAUL KOENIG
(S!X-MUSIC)

01.10.2020 (Interview: Patrick Gerner)

Paul Koenig ist gerade nach Wiesbaden gezogen, er ist Gründer des Labels „S!X-Music“ und hat mit uns darüber gesprochen was es mit dem Label, der Arbeit mit Musik und dem Genre „Trip-Hop“ so auf sich hat.  

Kannst du erst mal etwas über dich erzählen und wie du dazu gekommen bist ein Label zu gründen?

Sehr gerne, mein Name ist Paul König und ich habe vor 4 Jahren angefangen, die Musik, die ich im privaten Rahmen höre, zu sammeln und daraus Playlists zu machen. Hauptsächlich für den privaten Gebrauch. Ich habe dann die Tracks als Mix zusammengeschnitten und auf Youtube geladen.

Also so wie ein klassisches Mixtape nur im digitalen Format?

Genau und nach einem Jahr hab ich mir dann den Mix auf Youtube mal angeschaut und gesehen, dass der komplett explodiert ist und ich von Leuten Nachrichten bekam ob ich nicht ihre Musik auf meinem Kanal hochladen will. Irgendwann hatte ich dann viele Uploads von unbekannten Künstler*innen, die aber sehr gute Musik gemacht haben. Dann kam irgendwann die Spotify Frage und ich meinte sehr blauäugig: „Klar, kein Problem“. So ist das dann immer weiter gewachsen.

Du bist also ganz langsam und behutsam vom Mixtape ins Label gewachsen?

Ja, genau. Von der CD auf der „Mixtape“ stand bis zu dem Brief der sagte „Es wäre an der Zeit, dass Sie eine Firma anmelden“. Plötzlich saß ich dann beim Finanzamt und der Verbandsgemeinde und war selbstständiger Label-Inhaber.

Plötzlich Labelchef – machst du das Hauptberuflich?

Nein, ich bin eigentlich Student. Ich studiere Linguistik an der Goethe-Universität in Frankfurt und habe auch vor das zu Ende zu machen. Allerdings bin ich mittlerweile an dem Punkt, an dem ich nicht so genau weiß, ob ich damit oder mit der Musik mein Geld verdienen möchte. Musik ist schon ein Traumjob und das erfüllt mich sehr.

Jetzt ist gerade „Linguist“ gefallen, wir reden eigentlich über Musik. Vielleicht hängt das zusammen? Was für Musik darf man sich denn vorstellen, welche über S!X-Music veröffentlicht wird?

Ironischer weise hauptsächlich Musik ohne Sprache. (lacht) Der Großteil ist rein instrumental und geht in die Richtung moderner Trip-Hop, aber auch Hip-Hop und ein wenig Jazz. Klar haben wir die Vorbilder wie DJ Shadow im Hinterkopf, aber unser Sound hat schon einen moderneren Touch, würde ich sagen. Wir haben Künstler*innen aus der ganzen Welt und produzieren so ganz grob jeden Monat etwa ein Album.

Kannst du für die Leser, die nicht so in der Materie sind einmal kurz erklären was der Unterschied von Hip-Hop und Trip-Hop ist?

Hip-Hop ist ja nicht nur die Musikrichtung. Da steckt ja noch ganz viel Kultur mit drin. Viele die da nicht so informiert sind, setzen Hip-Hop ja gerne mit Rap gleich. Da wird dann oft an Dicke Beats und einen Sprech-Künstler der da eine Geschichte drüber erzählt gedacht. Das ist zwar nicht ganz richtig, aber hilft bei der Abgrenzung zu Trip-Hop: Bei Trip-Hop stehen die Beats häufig für sich und funktionieren als Instrumentale Musik. Meistens noch mit einem psychedelischen Einschlag.

Psychedelisch sagt ja auch der Name schon fast. Wie kommst du denn mit Musiker*innen die über S!X-Music veröffentlichen in Kontakt?

Meistens bekomme ich Demos zugeschickt, da steht dann auch oft nur der Mix, aber die EP oder das Album ist in den Grundzügen schon fertig. Das passiert auch auf allen Wegen, ob über E-Mail, Facebook, Soundcloud oder Youtube, ist da egal. Da höre ich mich dann durch und wenn mir die Sachen gefallen gebe ich das an mein Team. Wenn es allen gefällt schreiben wir zurück und dann geht die Arbeit los.

Und die Musiker kommen heute noch hauptsächlich wegen eures Youtube Mixes? Oder kennt man euch in der Trip-Hop Szene?

Die Trip-Hop Szene ist weltweit sehr groß, nicht unbedingt in Deutschland, aber in Frankreich, Belgien und z. B. Griechenland. Da laufen die Tracks auch noch in Clubs. Deutschland ist dagegen ja eher das Techno-Land, wobei auch Deutschrap hier sehr groß ist. Künstler*innen werden auf uns zumeist durch Mundpropaganda aufmerksam. Klar, unser Youtube Kanal hilft da auch, aber inzwischen ist es meistens so, dass wir von Künstler*innen anderen Menschen aus der Szene vorgeschlagen werden oder wir auf Künstler*innen aufmerksam gemacht werden von Leuten mit denen wir bereits zusammen arbeiten.

Man könnte also sagen, ihr habt euch in den 4 Jahren seit es euch gibt gut etabliert. Du hast das alleine angefangen, bist aber sicher nicht alleine geblieben, oder?

Ja, das variiert, aber wir haben ein paar Leute die sind fest dabei, dass ist einmal Fab Beat aus Stuttgart, der ist schon seit Tag eins mit im Boot, dann gibt es noch unseren Audio-Engineer Julian Convex aus Hamburg und noch den Michiel aka Phlocalyst, der auch A’n’R Arbeit leistet und das Lo-Fi Sub-Label „On Canvas“ leitet.

Du sprichst von einem Lo-Fi Sub-Label „On Canvas“, wie kann man das verstehen?

S!X-Music ist quasi das Mutter-Label und der Kanal mit der stärksten Reichweite, da bekomme ich auch viele Demos geschickt, die zwar super sind, aber nicht so richtig zum Sound des Labels passen. Gleichzeitig  wollte ich mich aber nie auf ein einziges Genre begrenzen. So kamen wir dann gemeinsam auf die Idee weitere Labels zu gründen, wo der Style ein wenig anders ist. Zuerst haben wir „Conjunct Recordings“ gegründet, welches von Fab Beat geleitet wird. Da ist der Sound mehr Soul & R’n’B. Dann wie vorher genannt haben wir noch „On Canvas“ von Michiel und wir machen noch „Soz!olekt“ als Deutschrap Label wo auch dieses Jahr noch ein bisschen was zu erwarten ist. [Anm. der Redaktion: In der Zwischenzeit ist eine 7“ Vinyl von Ari Chicago, dem legendären DJ Stylewarz und Fab Beat über Soz!olekt  veröffentlicht worden]

Ihr seid also breit aufgestellt. Du hast heute auch eine Platte mitgebracht. „The Jazz Hop Conspiracy, Vol. 3“ eine Compilation. Kannst du dazu etwas erzählen?

Die Jazz Hop Conspiracy Serie ist eines unserer größeren Projekte des Labels. Angedacht als jährliches Release kann es hier auch mal passieren, dass sie in einem Jahr ausfällt, weil wir für eine Platte meistens mit etwa 30 Künstlern zusammen arbeiten, das braucht Zeit. Inhaltlich haben wir hier Beats die einen klaren Jazz-Einschlag haben und das in allen Spielarten.

Die Jazz-Hop Conspiracy wurde am 11.09.2020 veröffentlicht, plant ihr bereits an Volume 4?

Im Hinterkopf ja, aber wir haben noch nicht explizit angefangen. Als nächstes steht unsere andere Compilation-Serie „Trip to Asia“ an. Da stehen bereits einige Tracks und auch das Cover. Wir sind aber auch noch mitten in der Promophase der Jazz-Hop Conspiracy, Vol. 3 und konzentrieren uns hauptsächlich darauf.

Zum Abschluss noch etwas regionales: Ist es für dich von Vorteil ein Label in der Rhein-Main Region zu haben?

Ich wohne hier, ich mag es hier, aber ich könnte von überall arbeiten. Wir haben hier kein Studio in das wir die Künstler einladen oder so. Da wir ja auch hauptsächlich mit internationalen Künstlern arbeiten wäre das gar nicht möglich. Heißt: So lange ich Internet habe, kann ich arbeiten.

Wie Paul die Künstler*innen für seine Compilations raussucht, was es mit dem grafischen Konzept auf sich hat, wie vielfältig und kleinteilig die Label-Arbeit ist, könnt ihr euch in dem ungekürzten Interview auf Youtube anhören!

Weiterführende Links:
S!X bei Instagram: https://www.instagram.com/s1x.music/
S!X bei Bandcamp: https://s1x-music.bandcamp.com/music

S!X Playlist bei Spotify: Go here

S!X auf Youtube

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