IM INTERVIEW: OZELOT & POPADICLO

01.06.2020 (Interview: Patrick Gerner)

Ozelot & Popadiclo, das sind zwei Produzenten aus Mainz, die man auch öfters mal zusammen Beat-Sets spielen hören kann. Wir saßen für ein Interview zusammen, um über das Beatproduzieren an sich sowie über aktuelle und kommende Projekte zu sprechen.

 

Wie kommt es, dass man euch beide immer zusammen antrifft?

 

Ozelot: Das hat sich irgendwie so ergeben.

Popadiclo: Wir haben so 2015/2016 angefangen zusammen Musik zu machen.

Ozelot: Wir haben auch schon immer noch mit anderen Leuten Musik gemacht, aber irgendwie hat sich beim Beats machen das perfekt ergänzt und mit der Zeit haben wir festgestellt,  dass wir schon ganz schön viele Beats zusammen gemacht haben. Und zu zweit gibt man sich auch viel eher das Selbstbewusstsein, mal was rauszuhauen.

Popadiclo: Oder ein Beat-Set live zu spielen.

Ozelot: Ja, auf jeden. Gerade am Anfang, wenn man sich vielleicht noch ein wenig unsicher ist, ist das schon nicer zu zweit und all solche Sachen.

Popadiclo: Vor allem, weil wir uns dann irgendwann entschieden haben, mit mehreren SPs zu zocken und es dann auch entspannter wurde, so dass dann einer mal 10 Minuten Pause machen konnte und der andere übernimmt.

 

Gerade ist das Stichwort „SP“* gefallen. Was sind denn beim Produzieren eure Hauptwerkzeuge? *(Anmerkung der Redaktion: Die "SP" meist vor allem die SP404 ist ein sog. "Sampler" mit dem es möglich ist Sounds aufzunehmen, zu arrangieren und mit dem Gerät alleine Beats zu fertigen.)

Ozelot: Eigentlich Ableton Live und Plug-Ins z. B. die Arturia Synth Collection.

Popadiclo: Ja, es ist schon sehr viel „In-The-Box“. Es entsteht fast alles im PC, die Drums mache ich meistens in Ableton und am ehesten kommen die Samples mal aus einer externen Quelle.

Ozelot: (lacht) Ja klar, die Samples hatte ich jetzt irgendwie vorausgesetzt.

Popadiclo: Ansonsten benutze ich noch mal nen Midi-Controller oder es kommt jemand rum und zockt mal mit einem Instrument was ein.

Ozelot: Aber keine Sampler oder sowas. Ein halbes Jahr, als ich keinen PC hatte, habe ich mit der SP404 produziert, das war auch witzig.

Popadiclo: Es ist auch platztechnisch schwierig, sich in kleinen Zimmern da jetzt groß Equipment hinzustellen, was man ja dann für ernsthafte Aufnahmen auch braucht und wenn es dann so einfach am PC geht…

Resampled ihr dann noch mal in der SP404 oder zieht die fertigen Tracks im Mastering Prozess für den Sound dadurch oder ist das einfach nur euer Abspielgerät für Live?

Ozelot: Für mich ist es schon mehr ein Abspielgerät.

Popadiclo: Du hast früher schon sau viele Beats damit gebaut und fertig gemacht.

Ozelot: Jaaa, ne Zeit lang war das so ein Flavour Ding, aber auch nicht wirklich lange.

Popadiclo: Man hat mit den digitalen Hilfsmitteln aber schon ein besseres Ergebnis bekommen und wenn man massiv Bock auf den Sound hat, dann steht es einem ja immer frei, den Beat oder einzelne Elemente dadurch zu jagen.

Ozelot: Das machst du auch schon, oder? Einzelne Elemente dadurch feuern.

Popadiclo: Ja, gelegentlich schon. Ich hatte auch mal ein Tapedeck, da habe ich auch mal was durchgejagt und heute mach ich das manchmal mit Drums oder einer Melodie, wenn ich Bock habe auf diesen komprimierten Effekt, aber grundsätzlich kann man das meiner Meinung nach alles digital machen.

Bei der These gibt es mit Sicherheit ungefähr genauso viele, die das jetzt unterstützen würden, wie Leute, die sagen „Wenn das nicht durch die Schaltkreise und Platinen läuft, dann klingt das auch nicht so.“

Popadiclo: Ja, so einen SP1200 Sound erkennt wahrscheinlich jeder Hip-Hop Head direkt.

Ozelot: Aber das sind auch 12-Bit, weißt du, was ich meine? Und so eine SP404 ist ja auch schon auf einem anderen technischen Stand, da macht das meiner Meinung nach nicht so den Unterschied. Bei so einer SP1200 oder MPC60, glaube ich, macht das schon einen Unterschied im Sound.

Popadiclo: (lacht) Aber die sind zu teuer.

Wir haben jetzt viel über Beats geredet, eben ist auch das Wort „Hip-Hop Head“ gefallen. Wie würdet ihr denn euren Style an Musik beschreiben?

 

Ozelot: Meinst du so genreunabhängig?

Popadiclo: Es ist auf jeden Fall Beat Musik. Ich würde mich nicht darauf beschränken lassen, Hip-Hop Produzent zu sein.

Ozelot: Es ist sehr rhythmisch betont.

Popadiclo: Und Loop basiert, aber sonst… es ist mal trappig, mal ist es Drum and Bass und manchmal ein wenig House… aber überwiegend sind es Hip-Hop Produktionen.

Ihr legt euch da also nicht grundsätzlich fest, sondern macht auch eher, wonach euch gerade der Sinn steht?

Ozelot: Früher habe ich mich auch schon häufiger gefragt, ob ich mich auf eine Schiene festlegen sollte, aber dachte mir auch, man sollte machen, worauf man Lust hat und je länger man Musik macht, desto eher arbeitet sich auch ein eigener Style heraus.

Popadiclo: Dann hängt es auch nicht mehr wirklich davon ab, welches Genre man bedient, sondern es geht mehr um die Stilmittel, die man benutzt, und was für Sounds sich in die Produktionen schleichen, um z. B. charakteristische Übergänge zu gestalten. Das bekommt man dann teilweise selbst gar nicht mehr mit und wird dann von anderen darauf hingewiesen.

Das ist ja ohnehin ein sehr interessantes Feld. Ich finde es immer sehr spannend, wie Hörer einen Track für sich völlig unabhängig von der Intention des Künstlers interpretieren.

 

Ozelot: Komplett! Meine Mutter sagt immer, wenn ich ihr so chillige Beats zeige, die wären voll traurig. (alle lachen) Da reicht schon ein deepes Rhodes.

 

Ihr beiden hängt viel zusammen, produziert viel zusammen und habt auch bereits eine Vinyl zusammen veröffentlicht. Wie ist das allgemein bei Kollaborationen für euch? Ist euch das wichtig, dass ihr so aufeinander hängt oder geht das auch übers Internet?

 

Popadiclo: Also ich habe mich in letzter Zeit auch viel damit beschäftigt, über das Internet mit Leuten zusammen zu arbeiten und Loops durch die Gegend zu schicken. Meistens sucht dann einer ein Sample raus, ein anderer baut Drums drunter, dann kommt das zurück und einer macht noch irgendwie Percussions drunter. Grundsätzlich würde ich sagen, man muss heute nicht mehr an einem Rechner sitzen, aber es begünstigt die Arbeitsweise unfassbar. Am liebsten mach ich das auch immer noch Vis-à-Vis.

Ozelot: Ich würde nicht behaupten, dass ich das nicht kann, aber ne Kollabo übers Internet habe ich einfach noch nie gemacht. So blöd es klingt, ich glaube, ich hab´ aber auch einfach schon genug Leute in meinem Umfeld, mit denen ich das dann mache. Die Ausnahmen sind dann Rapper, denen ich Beats schicke. Das läuft dann schon meist übers Internet, aber Beats zusammen hab´ ich noch nie übers Internet gemacht.

 

Wenn du sagst, du hast viele Leute um dich herum zum Musikmachen, würdest du auch sagen, es gibt eine Szene in Wiesbaden & Mainz?

 

Ozelot: Ja, Wiesbaden, Mainz und Frankfurt.

Popadiclo: Ein paar Homies von uns sind ja auch nach Offenbach gezogen, also unser direktes Umfeld hat da unser Einzugsgebiet auch vergrößert.

Wie groß ist die Szene so?

Ozelot: Die Größe ist schwer einzuschätzen, aber ich hab´ das Gefühl, der Rhein-Main Untergrund ist schon am brodeln.


Popadiclo: Auf jeden, wenn ich da an Rewe City Crime Boys oder PZK denke, da geht schon einiges und man könnte jetzt sehr viele Leute nennen.

Wie ist das mit eurem Kollektiv SDSK, gibt es das noch?

Popadiclo: Ja klar, auf jeden, im Moment ist das natürlich schwer mit Partys und Auftritten, aber im Großen und Ganzen gibt es uns auf jeden Fall noch. IVE hat z. B. auch ein bisschen was an neuer Musik fertig und in den Startlöchern.

SDSK ist aber Kollektiv und kein Label?

Popadiclo: Ja, wir sind halt einfach ein Freundeskreis mit ähnlichem Ästhetikempfinden.

Ozelot: Es sind auch einfach die Leute, mit denen man angefangen hat und deswegen ne besondere Bindung hat.

Popadiclo: Und gelegentlich trommelt man auch alle zusammen, um einen großen SDSK Auftritt wie auf dem BLEND Festival in Mainz letztes Jahr zu feiern.

Wie bringt ihr dann eure Musik raus? Habt ihr ein Label?

Popadiclo: (lacht)

Ozelot: Ja… also wir sind jetzt unter keinem Schirm und deswegen schon am ehesten Independent. Mein letztes Beattape habe ich auf jeden Fall in kompletter Eigenregie gemacht und auch die Kollaborationen mit Rappern werden vermutlich alle selbst organisiert. Aber jetzt diese „Lofi Beats“, wie ich sie bisher auch mal über ein Label veröffentlicht habe, mache ich auch eigentlich gar nicht mehr.

Hip-Hop Lofi Beats waren ja jetzt auch eine ganze Weile Trend, oder?

Popadiclo: Das fühlt sich schon an wie Popmusik

Ozelot: Ja auf jeden, so Lounge Popmusik, jeder kennt das. Ich hab´ davon auch noch ein bisschen was rumliegen, was ich als „Seaslugs“ Ep Serie rausbringe, aber das war es auch so ziemlich.

Auf diese EP wollte ich auch noch zu sprechen kommen. Eure letzten Releases waren ja bei dir zum einen die Seaslugs Vol. 2 und bei Popadiclo eine Kollabo mit „Uwe Jockel“ mit dem Namen „Blind Date“. Wie würdet ihr sagen, dass sich diese Releases von den Vorgängern unterscheiden?

Popadiclo: Vor allem zeitlich.

Ozelot: Ja, die Seaslugs sind tendenziell eher älter als jetzt z. B. meine „Late Night Cat Tunes“. Auch im Sound sind die Seaslugs eher Lofi und Boombappiger, während die Cat Tunes eher Südstaaten beeinflusst sind und in Richtung Phonk und trappigem Sound gehen.

Popadiclo: Bei der Blind Tape ist es so, dass der Name schon dadurch geprägt ist, dass wir uns ausschließlich online gesehen haben. Vom Sound her ist die EP ein wenig zweigeteilt. Da ist jeweils ein Track von ihm alleine produziert und ein Track von mir alleine drauf und dann eben zwei Tracks, an denen wir zusammen gesessen haben. Ich habe versucht, da weniger diese klassische Lofi Ästhetik einfließen zu lassen und es eher ein wenig moderner und trappiger mit 16tel Hihats zu halten. Da kommt auch auf jeden noch mehr von uns, weil die Zusammenarbeit so gut funktioniert hat.

Das geht schon in die Richtung meiner nächsten Frage: Was steht denn bei euch als Nächstes auf dem Plan?

Ozelot: Ich habe derzeit sehr viele Projekte mit MCees, die ich dann teilweise produziert habe, oder wo ich auch mal selbst rappe. Da weiß ich aber noch nicht, in welchem Zeitraum die alle rauskommen. Da gibt es einmal  die EP mit Thomas Hase von Besser-Samstag, die ich produziert habe, dann eine mit Negoucé und dann noch eine EP mit Rockz, die ich zusammen mit Dirk André komplett produziert habe, und dann kommt demnächst ne EP raus, die ich fast komplett gemixt habe, von einem sehr talentierten Rapper aus Darmstadt namens „Yao“… Was fällt mir noch ein…

Popadiclo: Kaktusmann

Ozelot: Ah klar! Wir bringen bald sein erstes Tape raus, das ist komplett von Popadiclo und mir produziert.

Popadiclo: Wir haben auch ein paar Beats nach Hamburg geschickt, mal schauen, was da passiert.

Ozelot: Und wir arbeiten auch wieder an einem gemeinsamen Beattape, aber das dauert noch ein wenig.

Popadiclo: Von mir erscheint dieses Jahr auch noch ein Solo-Instrumental Tape mit diversen Kollaborationen u. a. mit einem sehr musikalischen Kumpel, der sich da an verschiedenen Instrumenten auslebt. Auch der Beatmaker Henace wird gefeatured sein. Ist aber auch noch in der Mache und braucht noch ein bisschen.

Das klingt doch vielversprechend! Habt ihr beim Musikmachen auch musikalische Einflüsse, die euren Sound prägen?

Popadiclo: Tatsächlich viel Zeitgenössisches.

Ozelot: Ja, gerade aber auch bei den Sachen, die jetzt noch nicht rausgekommen sind. Bei den Late Night Cat Tunes war es auf jeden Fall viel so Soundcloud – Phonk, Südstaaten, 90s UGK Sound. Ich könnte jetzt aber von überall alles Mögliche aufzählen.

Popadiclo: Musik, die mich motiviert hat, selbst Beats zu machen und an die Grenzen zu gehen, war viel z. B. die Sachen von Flying Lotus, aber auch einfache, eingängige Sample Loops, die man einfach ewig hören kann.

Okay, dann kommen wir jetzt auch schon fast zur letzten Frage: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammen arbeiten?

Beide: (gemurmel) Puh hey, schwere Frage…

Popadiclo: Mit Rap drauf oder als Beat Kollaboration?

Ozelot: Realistische Sachen oder nicht? (alle lachen)

Komplett egal, haut einfach mal raus. Ihr dürft auch phantasieren.

Popadiclo: Ich fänd´s schon sau geil, wenn Scarf Face mal über einen Beat von mir rappen würde.

Ozelot: Das wäre schon stabil.

Popadiclo: Oder so ein Freddie Gibbs.

Ozelot: Ich weiß jetzt auch nicht so genau.

Popadiclo: Eigentlich sind auch die Leute, mit denen wir auch tatsächlich arbeiten, immer unsere Dreamcollabs.

Das ist doch eine schöne Antwort! Letzte Frage: Was wünscht ihr euch von der Region Mainz / Wiesbaden?

Popadiclo: Grundsätzlich würde ich mir schon noch mehr Kulturorte wünschen, wo man sich ausleben kann.

Ozelot: Es ist jetzt auch nicht so, dass nichts da ist, z. B. gibt es ja gerade das Postlager in Mainz.

Popadiclo: Ja, das ist schon geil und wenn man drüber nachdenkt, bekommt man das Gefühl, man könne sich nicht beschweren.

Ozelot: Und trotzdem bekommt man mit, dass das Nachtleben allgemein ausstirbt… und das nicht nur in Mainz, sondern in vielen Städten.

Definitiv ein Problem, welches immer präsenter zu werden scheint. Ich bedanke mich für das tolle Gespräch mit euch und wünsche euch weiterhin viel Erfolg! Abschließend sei noch erwähnt, dass man die beiden des Öfteren im GUTLEUT in Mainz bei einem Live-Set antreffen kann.

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Ozelot
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