IM INTERVIEW: THOMAS HASE

01. März 2020 (Bild: Dave Leonardth, Interview: Jannek Ramm)

Moin, ich bin verwirrt. Thomas Hase, Tomy Haze? Wie spricht man dich denn korrekt an?

Aktuell ist es Thomas Hase. Aber Tomy Haze bleibt weiterhin ein a.k.a. von mir. Früher habe ich nicht so ernste Musik gemacht, Tomy Haze halt. Mittlerweile ist meine Musik aber darüber hinausgewachsen und hat mehr persönliche Seiten, von daher war es auch an der Zeit für mich einen kleinen Namenswechsel zu vollziehen.


 

Diesen Wechsel hört man auch musikalisch, deine letzte EP „Bluntwraps & Lean“ ist
deutlich trappiger als das erste, eher oldschoolige Mixtape „Bluntwraps & Bier“. In welche Richtung soll es bei dir in Zukunft gehen?


Während der „Bluntwraps & Lean“-EP habe ich selbst viel Trap-Musik gehört, jetzt bin ich aber in meinem Musikgeschmack wieder zurück zum Oldschool gekommen. Deswegen ist die neue LP „Bluntwraps & Bier 2“, die am 26.12. erschienen ist, dann tatsächlich wieder back to the Old School. Über Besser-Samstag habe ich die Möglichkeit bekommen mit richtigen Produzenten zusammen zu arbeiten, sodass das mein erstes vollwertiges Album ist, sozusagen mein Debut.



Wie lief die Zusammenarbeit mit den Produzenten ab?


Ich bekomme meistens Beatpakete von denen zugeschickt, die schaue ich dann durch und schreibe direkt darauf. Oder ich komme mit einem konkreten Text zu einem der Produzenten und frage, ob die etwas haben, was vielleicht darauf passt. Oder man trifft sich halt und macht den kompletten Track zusammen, das kommt auch vor.

 

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Besser-Samstag?
 

Besser-Samstag ist ein Künstlerkollektiv, Schrägstrich Plattenlabel. Der Kopf des Ganzen ist
Paddy Besser, den ich vor ungefähr fünf Jahren über Freunde kennengelernt habe. Sein Kommentar zu meiner Musik war damals: Du rappst cool, dein Flow ist cool, aber deine Texte sind mir ein bisschen zu Gangster. Damals habe ich mehr mit Leuten rumgehangen, die in diese Gangster-Richtungen gingen, aber mittlerweile finde ich es cooler Musik darüber zu machen, wer ich wirklich bin. Davor war es eher eine Rolle, die ich eingenommen habe.



Das heißt, du bist auch in Wiesbaden aufgewachsen?

Ich bin ich Wiesbaden geboren, habe aber erstmal 13 Jahre lang in Taunusstein gelebt. Dann bin ich nach Nigeria gezogen bis ich 18 war. Meine Eltern haben dort gearbeitet und ich war halt noch zu jung, um allein hier in Deutschland zu bleiben.


Gab es dort eine Rap-Szene?

Nicht, dass ich wüsste. Ich habe mit den Jungs, mit denen ich da gechillt habe, die auch mit ihren Eltern dort waren, viel Musik gehört. Da gab es einen kleinen Jugendclub mit amerikanischem und später auch deutschem Hip-Hop. Das habe ich gehört und mir gedacht, boa, eigentlich kannst du das auch. Dort habe ich angefangen Texte zu schreiben. Man muss sich vorstellen in der prägendsten Jugendzeit in so einem harten Entwicklungsland zu leben. Diese Schere zu sehen zwischen einem deutschen Unternehmen, das da ein Camp errichtet und daneben Leute, die wirklich gar nichts haben und nicht wissen wie sie morgen was zu essen bekommen. Das ist ziemlich heftig. Ich habe dort aber auch die freundlichsten
Menschen getroffen, die ich je kennen gelernt habe.


 

Ist das eine Erfahrung, die du in deinen Texten verarbeitest?

Tatsächlich wenig. Das wundert mich selbst auch, weil es doch sehr prägend war. Als du dann nach Wiesbaden zurückkamst, an welche Orte hat es dich so gezogen, als Jugendlicher, der Hip-Hop hören und machen wollte?
Das war für mich hauptsächlich der Schlachthof. Da hatte ich die meisten Berührungspunkte. Dort habe ich auch Steely Dan, bzw. Daniel kennengelernt, der die „Schönste Jam“ in der Kreativfabrik veranstaltet. Da hatte ich als junger Künstler die Möglichkeit meine ersten Bühnenerfahrungen zu sammeln.


 

Und wo fühlst du dich am wohlsten? Beim Texte tüfteln, beim Live performen oder im Studio?

 

Ich liebe es auch Texte zu schreiben und zu recorden, aber es gipfelt immer auf der Bühne. Die ganzen Emotionen, die
man da reinpackt, das kommt am geilsten zurück, wenn man Leute vor der Bühne stehen hat, die das feiern. Auch wenn es nur fünf Leute sind.


 

Ich habe den Eindruck, dass Wiesbaden für seine Größe eine recht aktive Hip-Hop Szene hat. Orientierst du dich mit deiner Musik auch an den lokalen Künstlern hier oder dann doch eher daran, was deutschlandweit, weltweit gehört wird?

Ich höre schon in alles mal rein, wenn ich die Zeit habe, aber primär lasse ich mich von den Leuten aus Wiesbaden und Umgebung inspirieren. Eloquent ist zum Beispiel ein großer Einfluss von mir, den hör ich rauf und runter. Ansonsten natürlich meine Jungs von Besser-Samstag, die prägen mich schon sehr.


 

Lass uns nochmal über deine neue LP reden, wie hast du die Tracks dafür zusammengestellt?

Ich wollte das Album eigentlich mit einem roten Faden versehen, aber das hat dann eher semi-gut geklappt. Es ist dann doch eine Ansammlung von den besten Songs aus dem vergangenen Jahr geworden.


 

Wie ist da das Verhältnis bei dir? Wie viele Songs, die du gemacht hast, sind drauf, wie viele nicht?
 

Ich habe so 20 Songs gemacht und davon sind jetzt 12 im finalen Setting. Ja und es ist ein schönes winterliches Album geworden. Die Beats sind teilweise deep, teilweise boom-bapig
teilweise auch ein bisschen fröhlich, aber eigentlich ist es ein schönes
Winterdepressionsalbum. Persönliche Songs, Battle-Rap-Songs sind auch dabei. Ansonsten viele Representer, ich wollte mich erstmal vorstellen, wer ich bin und was ich für Musik mache.


 

Gibt es eigentlich Beef zwischen Wiesbadener Crews und Rappern, wo du Battle-Rap ansprichst?


Also so richtigen Rap-Beef nicht, aber es gibt schon ein paar Leute, die ich nicht so abfeiere. Aber dass ich jetzt spezifisch einen Rapper auf der Platte disse, kommt nicht vor. Aber ohne
Gegnerbezug passieren da halt so ein paar Dinge.

Das aktuelle Album von Thomas Hase gibt es hier zu hören.

Das komplette Interview zum nachhören!