KUNST:
MEETING OF STYLES (Mainz/Wiesbaden)

01.09.2020 (Interview: Anna Meißner)

Wie so viele Festivals musste das Meeting Of Styles, das weltweit bekannte Graffiti-Festival am Brückenkopf in Mainz-Kastel, in diesem Jahr abgesagt werden. Aber wirklich komplett, total, gänzlich abgesagt? Wir haben da etwas gehört, von Festival-Gründer Manuel Gerullis. Könnte es Anfang September etwa doch noch etwas zu sehen geben?

 

Eigentlich hätten sich im März dieses Jahres etwa 4000 Besucher*innen und mehr als 100 Künstler*innen am Brückenkopf in Mainz-Kastel versammelt und gemeinsam das 19. Meeting Of Styles Festival erlebt. „Hätten“ - wieder einmal ist hier der Konjunktiv notwendig, da die Veranstaltung aufgrund der Covid-19-Pandemie zunächst in den August verschoben, letztendlich jedoch abgesagt wurde. „Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Und diejenigen, die nur auf die Vergangenheit schauen, werden mit Sicherheit die Zukunft verpassen.“, so John F. Kennedy und so die Ankündigung des Festivals, welches in diesem Jahr unter dem Motto „Visions of future“ stehen sollte. Aber gibt es in Zukunft etwas zu verpassen? Ja, verriet uns Ideengeber und Gründer der Veranstaltung Manuel Gerullis, denn das  Festival hält etwas für den September bereit!

 

„Das Meeting Of Styles ist ein internationales Treffen von Graffiti-Künstler*innen aus der ganzen Welt mit Graffiti-Künstler*innen aus der Region“, erklärt Manuel Gerullis, Organisator und Gründer der Veranstaltung. 1997 wurde das Festival erstmals am heutigen Schlachthofgelände in Wiesbaden organisiert, damals noch unter dem Namen Wall-Street-Meeting. Seit 2002 findet es mit kleinen Veränderungen an einem neuen Standort, in Mainz-Kastel am Brückenkopf, statt. Etwa 100 Künstler*innen treffen sich hier jährlich, um gemeinsam Kunstwerke zu gestalten.

Inzwischen gibt es weltweite Veranstaltungen des Meeting Of Styles. In 25 Städten auf allen Kontinenten der Erde sollten in diesem Jahr Festivals dieser Reihe stattfinden. Schon bei den anfänglichen Wall-Street-Meetings, bei denen die Anzahl der Besuchenden Jahr für Jahr wuchs, traten Menschen auf Manuel mit der Frage zu, ob sie ein ähnliches Festival auch in ihrer Heimatstadt organisieren könnten. Das größte Graffiti-Festival Europas ist jedoch bis heute jenes in unserer Region. Leider wurden in diesem Jahr viele Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Lockdowns und der Ausfall von Großveranstaltungen waren nicht nur in Deutschland Teil der Pandemie-Regelungen. 

Jedoch wird im September, in nur wenigen Tagen (dabei nicht von aktuell im Internet kursierenden Daten verwirren lassen, die als Lückenfüller dienen, um das Risiko zu minimieren, dass viele Menschen doch planen, sich auf den Weg zum Brückenkopf zu begeben) etwas vom Meeting Of Styles aus Mainz-Kastel zu hören und zu sehen sein. „Wir dürfen zwar keine öffentliche Veranstaltung durchführen, aber wir werden eine Malaktion machen.“, kündigt es der Organisator des Festivals an. Dabei sollen drei Hauptwände am Brückenkopf von drei Teams konzeptionell neugestaltet werden, von etwa insgesamt 40 Künstler*innen aus der Region, Europa und Südamerika. Da in jedem Jahr drei- bis viertausend Menschen das Festival besuchen, und diese Anzahl an Besuchenden in diesem Jahr hohe Risiken birgt, werden unter dem Ausschluss von der Öffentlichkeit Live-Streams angeboten. An drei Tagen, Freitag, Samstag und Sonntag Anfang dieses Septembers, werden die Entstehung der einzelnen Arbeiten und die Gestaltung der Bilder, sowie Kurzinterviews mit anwesenden Künstler*innen frei zugänglich gezeigt. „Wir bieten so eine Möglichkeit, virtuell an der Gestaltung der Bilder teilzunehmen“, so Manuel. Wie eine Live-Fernseh-Show, erzählt er weiter, kann sich das Ganze vorgestellt werden.

Auch ein weiteres Angebot ist bereits geplant: Es wird die Möglichkeit geben, in Gruppen von circa zehn Personen eine Street-Art-Tour am Brückenkopf zu erhalten. Im Rahmen dieser Touren werden einzelne Bilder gedeutet und erklärt, Informationen über die Kulturform, die Entstehungsgeschichte und Techniken der Graffiti-Kunst, sowie über das Meeting Of Styles Festival werden ausgetauscht. Dabei muss nicht einmal tief in die Geldbörse gegriffen werden, denn diese Touren sollen unentgeltlich, auf Spendenbasis offeriert werden.

 

In Kürze folgende offizielle Daten, sowie alle weiteren Informationen über Live-Streams und Street-Art-Führungen erfahrt ihr über die Social-Media-Kanäle und die Website des Festivals.

Wir haben Manuel Gerullis ein paar weitere Fragen gestellt, über Wünsche und Herausforderungen der lokalen Graffiti-Szene. Hier geht es weiter zum Artikel.