KUNST: JOYCE ABRAHAMS

01.04.2020 - von Anna Meißner

Joyce Abrahams ist Künstlerin und Graphikdesignerin aus Wiesbaden. Sie ist Mitbegründerin des Vereins MUVIN, welcher in der Region fürs „Platten auflegen und eine schöne Feier schmeißen“ bekannt ist, in Zukunft aber auch kulturellen und künstlerischen Raum zur Verfügung stellen möchte. Mit uns sprach Joyce über ihre Kunst und das Thema „Schönheit“.

 

Schönheit ist, was allgemein gefällt, ein interesseloses Wohlgefallen einzig auf private Empfindungen basierend, so Kant. Schönheit ist ein individuelles ästhetisches Urteil und jeder beschreibt andere Dinge als angenehm. „Pflanzen und Tiere repräsentieren Ruhe für mich. Jedes Lebewesen ist in sich geschlossen und deshalb schön.“, sagt Joyce. Käfer, Kraken und Kakteen zieren ihre Zeichnungen. Häufig stehen sie in Verbindung mit Körperteilen: Ein Auge auf dem Rücken einer Libelle, einer Hand oder einer Blüte. So können Tentakeln aus einer Eiswaffel ragen, oder aus einem Spiegel, oder unter einem Hut hervor. „Ich finde das schön, andere vielleicht verstörend. Ich will, dass es am Ende für mich gut aussieht und Sinn macht.
 

Die Lehre der sinnlichen und sinnhaften Anschauung ist uns als Begriff der
Ästhetik geläufig. Kant sagt weiter, es könne keine Unterscheidung in das
Schöne und das Hässliche geben, nur die Art und Weise der Sinnlichkeit,
der Sinnhaftigkeit ist entscheidend. „Ich mag keine kubistische Kunst, aber
wenn jemand sagt, ihn oder sie sprechen die Formen und Farben an,
verstehe ich das. Auch, wenn ich mir das Kunstwerk nicht ins Zimmer hängen
würde. Zu mir sagen viele: Deine Zeichnungen sind strange, aber das finde
ich nicht schlimm, das sieht jeder anders.

 

Außerdem fotografiert Joyce. Sie zeigt Schornsteine und Einfahrten zu
Fabrikgeländen. Im Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden oder in den Industriebauten
entlang des Osthafens in Frankfurt gibt es keinen Stuck, keine Verzierungen, keinen Firlefanz.
Nur gerade Flächen von Gebäuden, die darauf ausgelegt sind zu produzieren. Und trotzdem
gibt es Farben, Petrol bis Blau. Alt- und Neubau sind verbunden, Backsteinschichten neben
glatten gelben Wänden. Auch das ist Kunst für Joyce, auch das ist schön. Schönheit wird
bedingt durch Bedeutung und Ordnung, sagt Aristoteles, durch den Blick auf das
Wesentliche, sagt Joyce.

 

Geometrische Formen verstärken das Gefühl der Ordnung. „Ich bin eine Mikrozeichnerin,
ich habe Angst vor weißen Flächen. Deshalb zeichne ich auf kleine Formate. Das Format
beeinflusst die Kunst. Die gängigenFormate sind rechteckig, manchmal schneide ich sie
quadratisch.
“ Ein Rechteck soll die Form haben, die das Gehirn am schnellsten verarbeiten
kann. Auch in Joyce‘ Aquarellenund Zeichnungen finden sich Drei- und Vierecke wieder.
Vielleicht ist das ordentlicher, vielleicht schöner.
Das jedoch liegt in der Betrachtung vieler ungleicher Augen.

Mehr von Joyce findet ihr auf ihrer Homepage: https://www.joyce-abrahams.com/