KULTURORT: KULTURPALAST

01.08.2020 (Interview: Jannek Ramm)

Der Kulturpalast hält die Soziokultur in Wiesbadens Innenstadt hoch. Geschäftsführer und Vorsitzender des Kultur im Palast e.V. Daniel Eckert sprach mit uns über wilde Partys als Bewerbung, warum es Ende vergangenen Jahres etwas still wurde um den KuPa und wie es nach Corona, trotz Sanierungsarbeiten, weiter geht.

 

Was bedeutet dir der Kulturpalast und wie bist überhaupt in diesen Laden gekommen?

 

Ich bin seit 2004 dabei. Zu der Zeit habe ich mit meiner damaligen Freundin eine kleine Konzertreihe veranstaltet, die sich recht schnell etabliert hat. Die Leute vom Kulturpalast fanden das damals auch ganz geil, waren wilde Partys damals. Auch mit Gästen, die mal auf die ein oder andere Weise über die Stränge geschlagen haben. Es ist aber immer friedlich geblieben. Dadurch hatte ich dann meinen ersten Kontakt zum KuPa geknüpft.

 

Irgendwann habe ich dann hier und da angefangen in Form von Thekenschichten oder als Grillmeister bei Veranstaltungen draußen auszuhelfen, bin dann aber für eine Zeit nach Hannover gezogen. Als ich 2018 zurückkam, ich weiß gar nicht mehr, ob ich gefragt wurde oder einfach eine Stelle im Booking frei war, auf jeden Fall war klar, dass ich wieder anfangen konnte. In der Zwischenzeit hatte sich natürlich viel geändert. Überall dort, wo junge Menschen und Studierende arbeiten, kann man davon ausgehen, dass die Fluktuation hoch ist. Ich hatte mich zwar auf alte Leute gefreut, die dann weg waren, aber konnte mich dafür auch über neue Leute freuen, die da waren.

 

Wie ist es nun, diesen Verein zu leiten und wie habt ihr die letzten Monate erlebt?

 

Es ist eine große Verantwortung, wenn man einen Verein mit maximal einer Hand voll Leuten durch eine solche Zeit führt. Das ist harte Arbeit, wenn auch nicht unbedingt körperlich. Ich muss aber auch sagen, wenn mir der Laden nicht so viel bedeuten würde, würde ich es auch nicht machen.

 

Nach außen hin hatten wir während des Lockdowns nur sehr wenig Programm. Da gab es ein Stream Konzert und eine Online Lesung. Hinter den Kulissen ist dafür umso mehr passiert. Dadurch, dass Corona war, waren natürlich auch weniger Vereinsmitglieder greifbar. Das war einerseits eine sehr einsame Zeit, andererseits haben wir uns aber auch nie allein gelassen gefühlt. Zumindest was unsere Förderer, Geldgeber und das Kulturamt angeht, hat man wirklich gemerkt, dass die sich Mühe geben. Und es kommen auch immer wieder Anfragen bei Facebook rein, wie es uns geht und wann es weitergehen kann.

 

Der ganz große Nachteil von Corona war, dass wir Anfang des Jahres wieder etwas Fahrt aufgenommen hatten. Ende des vergangenen Jahres hatten wir eine Phase, in der wir intern auch einiges zu bereinigen hatten und die wirklich nicht gut lief. Im Nachhinein muss man sich dann natürlich immer fragen, woran es lag. Da ich in dieser Zeit auch für das Booking zuständig war, muss ich auch selbstkritisch sagen, dass das vielleicht nicht immer so optimal war, oder wir auch mal mehr Risiken hätten eingehen sollen. Eine Zeit lang sah es so aus, als ob es auch schneller vorbei sein könnte, als uns lieb war, aber nicht zuletzt durch unsere Dickköpfigkeit haben wir uns doch nochmal zusammengerauft.

 

Kurz vor Corona hat man dann wieder so einen Trend gesehen, es ging irgendwie wieder. Die Leute wussten wieder, dass es den Kulturpalast noch gibt und es gab tolle Abende - und dann kam Corona.

 

Bei euch im Haus stehen Renovierungsarbeiten an, um aktuelle Brandschutzmaßnahmen umzusetzen. Das Ganze soll eineinhalb Jahre dauern, ab September. Wie geht ihr damit um?

 

Ein großer Teil unseres Vereins besteht aus Jugendarbeit. Vieles ist heute noch nicht ganz genau zu sagen, die entsprechenden Räumlichkeiten dafür sollen aber unangetastet bleiben. Das sollte also relativ reibungslos weiter machbar sein.

 

Über unseren Räumen ist außerdem ja noch der Tattersall, ein deutlich größerer Veranstaltungsraum als unserer, der wird auch umgebaut. Die ganze Sanierungsmaßnahme ist auf eineinhalb Jahre angelegt, da habe ich grundsätzlich immer gedacht; wenn man eineinhalb Jahre sagt, dauert das dann auch gut und gerne mal länger. Dem scheint aber jetzt doch nicht so. Ein Grund dafür ist sicher, dass im Tattersall oben die Fassenachtsgesellschaften ihre Sitzungen halten. Die haben genug zu sagen, um eine rechtzeitige Bespielbarkeit zum Rosenmontag 2022 zu garantieren (lacht).

Vielleicht sind wir ja auch Nutznießer dieser Geschichte.

 

Veranstaltungstechnisch wird es uns dann wohl erstmal auf Tour ziehen, so ein Nomadenleben wird für diesen Zeitraum leider dazu gehören.

 

Bis dahin ist im frisch ausgemisteten Garten des Kulturpalasts ein Biergarten geöffnet.