AUF EIN WORT
"KUNST, ACH, SO SCHWER..." (von Esther Klippel)

01.06.2020

„Ich finde Kunst ja eigentlich total spannend, aber leider verstehe ich davon nichts“. – Ein typischer Satz meines Gegenübers, wenn man beim Smalltalk darauf zu sprechen kommt, was man beruflich so macht. Ich wundere mich dabei immer über zwei Dinge: Zum einen, dass Menschen den Impuls haben, sich dafür zu entschuldigen, dass sie (angeblich) nichts über Kunst wissen. Zum anderen, dass es da immer noch so eine große Hemmschwelle gibt, eine Ausstellung zu besuchen, ins Museum zu gehen. Und dies, obwohl mittlerweile selbst die kleinsten Häuser ein breitgefächertes Vermittlungsangebot haben. Woher rührt diese „Scheu“ vor der Kunst?

Ich kann hier nur mutmaßen, aber meine Theorie lautet wie folgt: Wir gehen nicht ins Museum, weil es uns unangenehm ist, nichts über die Objekte zu wissen. Würde man uns fragen, würden wir wohl bejahen, dass ein Grundwissen über Kunst zu einer soliden Allgemeinbildung dazu gehört. Davor zu stehen konfrontiert uns also mit unserem Wissensleck. Das ist ungefähr so, wie dem/der LehrerIn beichten zu müssen, dass wir die Hausaufgaben nicht gemacht haben. Oder vor einer Prüfung zu stehen, für die wir nicht gelernt haben. Also gehen wir lieber gar nicht erst hin.

Wenn wir es doch mal tun, fühlen wir uns überfordert. Weil sie es ins Museum geschafft haben, müssen die dort gezeigten Werke etwas ganz Besonderes sein. Und die Namen auf den Infoschildchen: Dürer, Rubens, Rembrandt, da Vinci. Berühmte Künstler – das wissen wir immerhin. Aber wieso eigentlich? Weil Dürer so gut Hasen malen konnte, Rubens` Frauen alle ein Lipödem haben, bei Rembrandt nie das Licht brennt und da Vinci wohl irgendwie ein Universalgenie war? Wir stehen vor ihren Werken und denken, dass wir nun eigentlich vor Ehrfurcht erschaudern müssten. Aber außer einem dicken Fragezeichen in unserem Kopf fühlen wir – nichts.

Wir könnten diesem unangenehmen Gefühl von Unwissenheit entkommen, indem wir schnell den Wikipedia-Eintrag zum Künstler aufrufen, den ausliegenden Katalog zu Rate ziehen und uns vornehmen, uns vor dem nächsten Museumsbesuch wirklich wirklich (!) besser vorzubereiten. Wir können aber auch einfach: Hingucken. Denn dem Kunstwerk ist es vollkommen egal, ob wir wissen, von wem es gemacht wurde und in welcher Epoche es entstanden ist. Es ist auch nicht beleidigt, bricht nicht in Tränen aus oder geht kaputt, wenn es uns nicht gefällt. Wir dürfen es also ganz unwissend und subjektiv anschauen und es einfach auf uns wirken lassen. Gefällt es mir eigentlich? – Warum (nicht)? Was fällt mir spontan dazu ein? Erinnert es mich an etwas? Gibt es vielleicht ein interessantes Detail, das erst bei näherem Hinschauen auffällt? Wer könnte es damals gekauft haben? Wo hat sie/er es vielleicht hingehängt, aufgestellt? Wo würde ich es in meiner Wohnung platzieren (oder lieber gleich in den Keller damit)? – Und ehe wir uns versehen, sind wir schon mittendrin in der wunderbaren Welt der Kunst!

Kunst, ach, eigentlich doch gar nicht so schwer.

Wenn ihr mehr über die Kunstbotschafterin Esther Klippel erfahren wollt, klickt einfach hier und lest das Interview zu ihr und Ihrem Blog "Gestatten - Kunst!"