KULTUR // GLÜCKSORTE:
Bärbel Klein (Wiesbaden)

01.07.2020 (Interview: Anna Meißner)

Wiesbaden versprüht Esprit und ist Kultur pur.“, so beginnt die Beschreibung des Buches „Glücksorte in Wiesbaden“ von Bärbel Klein. Für viele Regionen und Städte veröffentlichte der Droste-Verlag Bücher über jeweilige Glücksorte unter dem Slogan: Fahr hin & werd glücklich!  So auch im August 2019 für die Stadt Wiesbaden. 80 Lieblingsorte beschreibt die Autorin, sodass beim Lesen nicht nur Hinfahrende, sondern auch Hiergebliebene neues Glück entdecken können.  

Wie ist das Glücksorte-Buch über Wiesbaden entstanden?

Ich habe einen Blog, Farbenfreundin, wo ich über Livestyle und Happy-Time, über die schönen Dinge des Lebens schreibe. Der Droste-Verlag suchte jemanden aus Wiesbaden, der dieses Glücksorte-Buch schreibt und hat mich über meinen Blog gefunden. So kam es dazu, dass ich den Auftrag bekam, diesen City-Guide, diesen Stadtführer, zu schreiben, in dem 80 meiner Lieblingsplätze in der Stadt Wiesbaden aufgeführt sind, jeweils mit Text und Foto. Die Vorgabe war, nicht die klassischen Sehenswürdigkeiten, sondern Tipps -querbeet-, die man auch einer Freundin geben würde, zu präsentieren: Wo könnten wir hinwandern? Wo könnten wir spazieren, wo bummeln gehen? Zu welchem Frisör gehst du?

Also umfasst das Buch thematisch auch andere Tipps als solche, die in herkömmlichen Reiseführern zu finden sind?

Ja. Ich habe zum Beispiel zwei, drei Boutiquen aufgeführt, Cafés, die Artothek, das ist eine Kunst-Ausleih-Stelle.  Auch solcherlei Dinge, die man in einem normalen Standardreiseführer nicht findet. 

Welche sind deine Lieblingsorte? Könntest du fünf aus den 80 benennen oder fällt es dir schwer, dich festzulegen?

Ich musste mich richtig einschränken. Ich hatte bestimmt 120 Orte und bin dann mit dem Verlag nochmal in Klausur gegangen. Dann hatte der ein oder andere Laden inzwischen geschlossen und ich musste wieder Neues mit hineinnehmen. Es ist letztendlich eine Auswahl von 80 Orten geworden. 

Meine Lieblingsorte sind tatsächlich launen- oder tagesabhängig. Möchte ich bummeln gehen, in der Stadt, dann ist mein Lieblingsort ein Laden in der Nerostraße, oder mitten in der City das Schiffchen. Aber ist es Sonntag und ich möchte spazieren gehen, dann ist es vielleicht der Wartturm oder der Goethestein in Frauenstein.  Ich liebe Frauenstein, es ist ein wunderschöner Vorort von Wiesbaden, mit Blick in den Rheingau, in die Reben. In Wiesbaden selbst hat man ja auch Möglichkeiten zum Spazieren: Die Walkmühlanlage, in der man Kunst- und Naturgenuss verbinden kann und dann gibt es da noch das Vinotto, ein Weinladen. Also es ist ganz unterschiedlich.

Würdest du jedem empfehlen, nach Wiesbaden zu reisen, oder gibt es irgendwo ein „Aber…“?

Das Aber ist, dass Wiesbaden einem die schönen Orte nicht gerade auf einem Tablett liefert – deswegen auch mein Buch, das versucht, die Geheimtipps aufzuzeigen. Wenn du am Bahnhof rauskommst, denkst du erst mal: Und jetzt? Geh ich nach links, geh ich nach rechts? Wo soll es denn hier schön sein? Man muss ein bisschen mit der Lupe suchen, aber wenn man schöne Orte gefunden hat, dann muss man davon berichten, dann ist es einfach sehr lebenswert. 

Apropos Bahnhof: da ist auch ein Glücksort - die Unterführung. Sie ist vor circa zehn Jahren von einem Künstler in blaues Licht getaucht worden. Eine Glasfirma in Taunusstein hat dieses Kunstwerk ausgeführt. Und ich bin Pendler, für mich war diese Unterführung der morgendliche und abendliche Glücksort. 

(Anm. d. Red.: 2009 wurde die Unterführung am Bahnhof Wiesbaden in blaues Licht getaucht, allem Hören nach, um an das Wort Bad in Wiesbaden zu erinnern, an Quellen und Kurbäder, oder um aus dem Alltag abzutauchen, wie Bärbel es sagt. Blaues Licht bedeutet konkret, dass viele, 49, um genau zu sein, farbliche Glastafeln den größten Teil der Unterführung säumen, auf 50 mal 2 Metern. Die hinter dem Glas liegende Effektbeleuchtung verstärkt die optische Wahrnehmung von sich bewegendem Wasser und Wellen. Der Wiesbadener Planer Peter Ressel ließ dieses Kunstwerk in Zusammenarbeit mit dem Osnabrücker Glas- und Lichtkünstler Mario Haunhorst entstehen.) 

Was ist unter dem Begriff Glücksort zu verstehen?

Der Titel ist vorgeschrieben. Es gibt eine Reihe von Büchern über Glücksorte vom Droste-Verlag, so auch beispielsweise Glücksorte in Mainz, Glücksorte im Hunsrück, im Rheingau, in Rheinhessen und so weiter. Aber der Begriff spricht mich sehr an. Ich habe ja auch einen Happy-Time-Blog. Das ist ein Thema, welches ich immer wieder aufgreife, ein Thema, das die Leichtigkeit in den Vordergrund stellt.  So sehe ich auch diesen Begriff des Glücksortes – das Leben wird leicht und die Sorgen werden nach hinten gedrängt. Die Sonne strahlt einem aus dem Herzen. 

Ein Happy(-Time-)Blog: Was bedeutet diese Beschreibung deines Blogs Farbenfreundin?

Das ist eine Wortschöpfung von mir. Ich war auf vielen Blogger-Events und -Workshops. Dort hieß es immer wieder: „Du musst dich fokussieren! Du musst dein Thema finden!“ Aber ich habe kein spezielles Thema. Ich interessiere mich genauso für Mode wie fürs Essen. Also bin ich jetzt ein Food-Blog, nur weil ich übers Essen schreibe? Ich habe ein breites Spektrum an Themen. Das, was mich so reizt, ist, das Schöne in den Vordergrund zu stellen, das, was Spaß macht, was das i-Tüpfelchen für das Leben ist. Nicht die Arbeit, nicht die Sorgen, nicht die pflegebedürftigen Verwandten: Ich möchte mich rund um die Happiness-Themen bewegen. So versuche ich auch andere dazu zu inspirieren, immer wieder dem Leben ein i-Tüpfelchen aufzusetzen. Es muss Spaß machen, sonst kann man es auch lassen! – Das ist so mein Lebensmotto. 

Genussmittel werden auch auf deinem Blog beschrieben, so zum Beispiel Wein. Findest du, Wein spielt in der Region eine wichtige Rolle in der Kultur?

Es ist ein touristisches Thema, diese Reben, diese Weinberge: Es ist für mich hier wie in der Toskana. Gutes Essen, das ist auch ein Kulturgut. Ich gucke immer ein bisschen neidisch zu den Franzosen, die das gute Essen zelebrieren. Für sie ist es ein ganz klares Kulturgut und ich finde, das muss man in Deutschland auch so leben. 

Kultur und Genuss gehört für mich zusammen. Genuss gehört zum guten Leben und zur Gastfreundschaft dazu. Deswegen verstehe ich Touristen, die Genusstouristen sind und wissen, dass das auch ein Kulturgut ist. 

In deiner Buchbeschreibung ist Wiesbaden als Nizza des Nordens betitelt. Ist das eine gängige Bezeichnung für die Stadt oder ist es ein Ausdruck von dir, auf die Esskultur der Franzosen bezogen?

Ich habe das selbst in einer touristischen Publikation gelesen. Die Temperaturen sind ein bisschen wärmer als im Rest von Deutschland. Wir sind hier schon in einer wärmeren Klimazone, es wachsen beispielsweise Palmen in den Gärten. Dieser Begriff ist in Prospekten der Touristenzentrale zu finden. Ich habe zwar gesagt, es ist hier wie in der Toskana, aber vielleicht passt Nizza doch besser. Deshalb habe ich es gerne übernommen, es ist nicht von mir. 

 

Gibt es eine Fortsetzung des Glücksorte-Buchs?

Das Buch ist in der ersten Auflage fast verkauft und ich bin in Gedanken schon bei der zweiten Auflage. Das heißt, Ich werde das ein oder andere aktualisieren oder wenn ich von Lesern höre, dass sie andere Glücksorte in Wiesbaden haben, von denen sie sagen: „Das musst du unbedingt reinnehmen, weil…“, dann bin ich da offen und neugierig. Ich würde mich freuen, wenn sich Leser oder Zuhörer bei mir melden und mir ihre Glücksorte aus Wiesbaden nennen! 


Am 11. Juli findet ein Online-Wine-Tasting eines Rheingauer Winzers, verbunden mit Lesungen der drei Autorinnen der Glücksorte-Bücher des Rheingaus (Tanja Werle), Rheinhessens (Kristin Heehler) und Wiesbadens (Bärbel Klein), statt. Wiederholungen dieser Veranstaltung sind geplant. Weitere Informationen über Bärbel Kleins Blog Farbenfreundin (auffindbar über: www.gluecksorte-wiesbaden.de) sowie  weitere Glücksorte könnt ihr hier bei uns, in der kompletten Version des Interviews, erfahren.

DAS AUSFÜHRLICHE INTERVIEW ZUM NACHHÖREN