IM INTERVIEW: FLOOR & FAUNA

01.08.2020 (Interview: Carolin Auer)

Als „offene Community“ bezeichnet sich das junge DJ-Kollektiv Floor & Fauna aus Mainz, das mit seinen Partyreihen Kunst- und Kulturräume schaffen möchte, in denen man loslassen kann. Ein Gespräch über „Deep Melodic Techno der progressiveren Art“, Partys mit Chill out areas und die Notwendigkeit von Safe Spaces.

Mareen, Kiwi, Janko und Marco - das sind die vier Köpfe des DJ-Kollektivs Floor & Fauna aus Mainz. Gemeinsam organisieren sie eine übergreifende Partyreihe, die ihren Fokus vor allem auf gute Musik und ein aufwändiges Dekokonzept legt. Musikalisch wird der Abend von zwei DJanes und DJs mit „Deep Melodic Techno der progressiveren Art“ angetrieben und soll dabei gleichermaßen zum Tanzen und Abschalten einladen. Mit vielen Pflanzen, einer atmosphärischen Lichtgestaltung und gemütlichen Kuschelecken soll man dabei für eine Nacht in eine andere Welt abtauchen können.

 

Das DJ-Kollektiv kennt sich untereinander schon länger und sieht sich mehr als einen Freundeskreis,anstelle eines rein professionellen Verbundes. Nachdem jede*r für sich bereits die Leidenschaft zur Musik entdeckt hatte, haben sie sich vor einem Jahr zusammengetan. Die Planung der Projekte sei „ein organischer und kreativer Schaffensprozess“ und alle sind willkommen, die sich kreativ einbringen wollen und neuen Input in das Rahmenkonzept bringen möchten. So hat Floor & Fauna auch schon Partys in Zusammenarbeit mit Veranstalter*innen, DJs und DJanes veranstaltet und auch Künstler*innen konnten ihre Werke präsentieren und so zu einer ganz besonderen Atmosphäre beitragen.

 

Spielt für euch die ausgeglichene Geschlechterverteilung eine wichtige Rolle?

Mareen: Auf jeden Fall! Was ein ganz wichtiger Punkt ist, ist die Rolle der Frau beim Feiern, denn einige sind im Nachtleben mit sexueller Belästigung konfrontiert. Wir als Kollektiv verstehen Technopartys als einen freien Raum, wo jeder sein darf, wie er möchte und jede sein darf, wie sie möchte; einen Raum ohne Diskriminierung und Belästigung, in dem man sich entfalten kann. Das schreiben wir uns auch ganz groß auf unsere Floor & Fauna-Fahne. Wir wollen einen Safe Space für Frauen und Männer schaffen, in dem sie loslassen und sich fallen lassen können und das ohne dabei zu denken: “Werde ich jetzt vielleicht gerade irgendwie angeschaut oder herrscht irgendwie eine seltsame Atmosphäre?“. Das ist das Tolle an den Partys, weil sehr schnell eine familiäre, vertraute und sichere Atmosphäre entstanden ist. Es kommt zwar schon immer vor, aber es ist auch noch ein Weg, bis hoffentlich alle Partys so sind.

 

Wie sorgt ihr für diesen Safe Space?

Mareen: Wir versuchen auf unseren Partys immer präsent zu sein. Wenn wir nicht selbst auflegen, mischen wir uns unters Volk und versuchen damit den Besucher*innen zu vermitteln, dass immer eine Ansprechperson da ist und dass jegliche Situation, die problematisch sein könnte, auch gehört und ernst genommen wird. Das ist besonders wichtig, weil wir damit auf Augenhöhe mit den Gästen kommunizieren können und sie das Gefühl haben, als wären wir einfach Freund*innen, zu denen sie kommen können, wenn ihnen gerade vielleicht etwas Blödes passiert ist. Wenn wirklich etwas passiert sein sollte, ist der erste Schritt, das offen anzusprechen und wenn es nötig ist, die Securitys dazu zu holen, was aber glücklicherweise bisher noch nicht so wirklich vorgekommen ist.

 

Marco: Das Gute ist, dass wir keine Veranstaltungen mit sehr vielen Besucher*innen machen und keine super Gewinnabsicht haben. Wenn die Veranstalter selbst auch auf der Tanzfläche sind und natürlich sehr geschlechterparitätisch aufgestellt sind, dann passiert viel weniger als bei einer Party, wo quasi nur von oben ab-organisiert wird. Wir haben zwar noch kein Awareness-Team, wenn es aber mal größer und unübersichtlicher wird, dann würden wir uns das überlegen. In den kleinen Locations, in denen wir bis jetzt unterwegs waren, ging das ganz gut.

Ihr macht alle Deep Techno - hat jeder von euch eine eigene Stilrichtung?

Marco: (lacht) Bevor die Genrepolizei kommt - die ist sehr aktiv heutzutage - würde ich sagen „Deep melodic Techno der progressiveren Art“. Wir haben bei den letzten Veranstaltungen, die etwas größer waren, mit Indie Dance angefangen, mit orientalischen Klängen, zu denen man gut tanzen kann. Wir leiten dann über zum Mainact, so dass es immer progressiver, immer dunkler und immer treibender wird. Das ist unser Konzept und in diesem Konzept bringt jeder seinen Stil rein. Wir sind kein DJ-Kollektiv, das zusammensitzt und Sets gemeinschaftlich durchplant, sondern man spürt bei jedem den eigenen Charakter. Sowohl in der Trackauswahl-, als auch in der Art der Performance. Das manifestiert sich dann meistens auch in Uhrzeiten, denn, wenn man sagt, dass der Janko das Closing macht, dann weiß man, dass es anders wird als bei Mareen.

 

Janko: (lacht) Wobei ich hier kurz anmerken möchte, dass ich Mareen eher die harten Sachen überlasse. Bei uns werden alle Geschlechterrollen durchbrochen.

Was habt ihr denn bisher schon an Projekten umgesetzt?

Janko: Wir hatten unsere erste Party im Bellini in Mainz mit „Schön im Wald“, das ist ein DJ-Duo, bestehend aus einem Mann und einer Frau, die sonst in Köln im Odonien auflegen- proof of concept. Hat geklappt, hat Spaß gemacht, die Leute kamen und die Deko sah gut aus. Ein halbes Jahr später haben wir Hidden Empire bekommen und damit unseren ersten krassen Mainact. Da hat Mareen auch zum ersten Mal auf der Bühne gestanden und durfte das Opening machen. Danach kam die Party „Liebe Danach“ und da haben wir uns gedacht, wenn im Rhein-Main-Gebiet Festivals sind und die Leute danach nach Hause tingeln, da möchten wir nochmal was bieten und haben da auch eine Party gemacht. Aus einer Schnapsidee heraus entstand die Idee an Fasching im Burgerladen in Mainz aufzulegen. Dabei haben wir uns hier mit der Bouq zusammengetan und hatten eine schöne House, Melodic House und Progressive House Session.

 

Marco: Auch wenn wir größere Sachen machen, wie die Veranstaltung mit Hidden Empire, möchte ich nochmal betonen, dass wir immer noch „non profit“ sind und nicht wirklich auf Gewinnerzielung aus sind. Falls wir was verdienen, dann reinvestieren wir das alles in unsere Partys und unser Konzept, um die Räume, die wir kreieren, noch schöner und bombastischer zu gestalten. Denn da ist noch einiges, was uns unter den Fingernägeln brennt und wo wir noch hinwollen.

 

Mareen: Apropos bombastische Räume! Worauf das Publikum immer sehr stark reagiert, ist wie wir den Club dekorieren. Das beinhaltet ja bereits unser Name „Floor & Fauna“ - daran ist ein sehr schönes Dekokonzept angelehnt und dafür ist Kiwi unsere Fachfrau.

 

Kiwi: Das ist so wie gesagt: „Floor & Fauna“. Wir karren immer super viele Pflanzen in die Clubs und versuchen dann einen super schönen Space zu schaffen, wo man sich einfach fallen lassen kann und auch will. Wir hatten auch schon Künstler*innen den Raum angeboten, um ihre Kunst auszustellen und versuchen immer mit verschiedenen Lichtkonzepten zu arbeiten.

Reden wir hier von echten Pflanzen?

 

Kiwi: Wir haben unsere Quellen.

Janko: Grüße gehen raus an meine Oma an dieser Stelle.

Marco: Auf jeden Fall keine Pflanzen, die den Tod fürchten müssen. Wir mischen aber echte Pflanzen mit künstlichen Pflanzen, das wäre sonst echt krass.

Wie seht ihr Mainz und Wiesbaden kulturell aufgestellt?

Mareen: Also, ich finde, dass Mainz auf jeden Fall ganz viel Potential hat und würde mich persönlich freuen, wenn dieses Potential noch weiter ausgeschöpft wird. Die Stadt ist generell vom Clubsterben bedroht und ich bin immer eine große Verfechterin davon, das Stadtleben weiter zu beseelen. Das versuchen wir natürlich auch mit unseren Partyreihen und ich freu mich auch immer, wenn technointeressierte Menschen innovative Dinge auf die Beine stellen. Der Startpunkt ist schon mal gegeben und man kann noch einiges daraus machen und da arbeiten wir mit dran.

Marco: Wir hatten uns auch schon in Wiesbaden umgeguckt, aber da hat uns die Coronakeule erwischt. Ich finde, die Verbindung zwischen Wiesbaden und Mainz sollte kulturell besser genutzt werden. Es ist ein Katzensprung und man könnte durch eine Zusammenarbeit von Veranstalter*innen, Locations und Kulturschaffenden aller Art viel mehr erreichen.

Falls die Coronakrise es zulässt, findet die nächste Party des Floor & Fauna-Kollektivs im August statt – da hierfür noch Genehmigungen ausstehen, steht aber noch nichts Konkret fest. Neue Projekte sind dann im Spätherbst oder Frühwinter geplant, denn die zwei DJs und DJanes wollen auch wieder loslegen, sobald sie wieder dürfen.

Alle Infos zu den Veranstaltungen sind auf den Social Media-Kanälen Facebook und Instagram zu finden. Auf Soundcloud kann man die Sets von Floor & Fauna finden unter: https://soundcloud.com/floorxfauna

 

Zugunsten von Verständlichkeit und besserer Lesbarkeit wurde das Interview stark gekürzt. Die ungeschnittene Version ist zum Nachhören auf unserem Youtube-Kanal zu finden.

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