SCHAUSPIEL: ELENA BERTHOLD

01.09.2020 (Fotos: Steve Walkevic & Andreas Etter Interview: Anastasia)

„Unter Schauspiel zählt auch Musik oder Körpertraining – alles, was ich gerne mache ist gleichzeitig mein Beruf“. Elena Berthold ist Nachwuchsschauspielerin am Staatstheater Mainz und hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Was das mit sich bringt und warum sie abseits der Bühne gar nicht so gerne vor Leuten spricht, hat sie uns im Interview verraten.

Schon als Kind stand für Elena fest, dass sie Schauspielerin werden möchte. Geboren und aufgewachsen in Köln, kam sie schon früh in Kontakt mit der Welt der Kostüme und Masken. Begonnen mit Tonaufnahmen, ist sie heute als Schauspielerin im Theater, als auch im Fernsehen tätig. Mitgespielt hat sie unter anderem in Fernsehsendungen wie Aktenzeichen XY ungelöst und dem Tatort. Im Mainzer Staatstheater spielte sie schon in Pünktchen und Anton, Komödie mit Banküberfall und Hexenjagd mit.

Wenn die Leidenschaft zum Beruf wird, besteht die Gefahr, dass der Reiz und Spaß an der Leidenschaft verloren geht – wie siehst du das?

 

Das Verhältnis verändert sich auf jeden Fall, wenn man sein Hobby zum Beruf macht. Der Leistungsdruck kommt hinzu. Schauspiel ist auch nicht nur Schauspiel, darunter zählt auch Musik und Körpertraining. Alles, was ich gerne mache ist gleichzeitig mein Beruf. Aber ich würde niemals sagen, dass meine Passion dadurch verloren geht. Vielmehr ist es die Liebe meines Lebens. Klar, bin ich manchmal einfach fertig und erschöpft, aber mir kommt nie der Gedanke, dass ich keine Lust mehr habe. Oft habe ich so viel mehr Energie, weil ich etwas tue, das mich mit so viel Glück und Freude erfüllt. Wenn man etwas findet, das einen erfüllt, kann man sehr viel Lebensenergie und Freude daraus ziehen. Für mich war immer klar, dass ich Schauspielerin werden will. Ich habe auch noch nie darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen. Das ist auf der einen Seite natürlich ein großes Geschenk, eine Leidenschaft zu haben. Allerdings ist es auch gefährlich, weil was ist, wenn es nicht klappt? Ich setze alles auf diese Karte. Bisher hat es immer gut geklappt und ich hoffe das bleibt auch so.

Würdest du sagen, dass man das Schauspiel lernen kann oder das es eine Berufung ist?

Das ist lustig, viele wissen noch nicht mal, dass man Schauspiel studieren kann. Ich glaube schon, dass ein grundsätzliches Talent da sein sollte. Aber, natürlich kann man es auch studieren. Wie jeder andere Beruf ist Schauspiel ein Handwerk, das erlernbar ist.

Wenn ich daran denke vor vielen Menschen zu reden, werde ich ganz nervös – wie ist das bei dir?

 

Abseits der Bühne rede ich gar nicht so gerne vor Leuten. Auf der Bühne ist es für mich etwas anderes. Dort besitze ich den Schutzmantel meiner Rolle. Es wird viele Male geprobt. Man weiß, was man sagen muss. Klar, man stellt sich auch immer darauf ein,dass etwas anders läuft, sonst wäre es tot - davon lebt das Theater. Aber man hat ein Gerüst, auf das man sich verlässt. Ich bin nicht ich selbst als Person, sondern eine Figur. Durch meine Ausbildung und mein gelerntes Handwerk, kann ich auf Knopfdruck bestimmt wirken. Das hat aber mit mir selbst als Person nichts mehr zu tun.

Bist du schon mal in die Versuchung gekommen, deine Schauspielkünste im privaten Leben zu deinen Gunsten zu nutzen?

Das fragen viele! Aber, nein, überhaupt nicht. Ich hatte tatsächlich aber als ich vierzehn Jahre alt war eine zweiwöchige Phase, in der ich gar keine Freund*innen hatte. Du musst wissen, ich bin sehr ironisch und sarkastisch. Das Problem war, dass mir alle wortwörtlich geglaubt haben und dachten, ich würde sie verarschen. Mir war einfach nicht bewusst, dass ich so realistisch spielen kann. Daran habe ich es dann gemerkt. Aber nein, privat könnte ich es gar nicht. Ich bin auch eine ganz schlechte Lügnerin und werde direkt rot! Bloß einmal in meinem Leben, als ich in einer extremen Notsituation war, habe ich einen Taxifahrer dazu gebracht, meinen Umzug zu fahren. Da habe ich auf Knopfdruck geweint.
Aber nur das eine Mal!

Welche Rollen spielst du am liebsten? Welche, die deiner Persönlichkeit ähneln oder das komplette Gegenteil von dir sind?

Mir macht es am meisten Spaß, Rollen zu spielen, die so unterschiedlich wie möglich sind. Da wird die Kreativität jedes Mal ganz neu gefordert. Generell, interessieren mich Frauenfiguren, die über ihre Schönheit identifiziert werden, am wenigsten. Ich mag skurrile Rollen. Eitelkeit hingegen gar nicht. Als junge Frau wird im Film und Theater leider noch immer viel Wert drauf gelegt. Wobei es im Film noch stärker verbreitet ist. Mir ist es egal wie ich auf den Bühne aussehe.

Spielst du lieber im Film oder im Theater?

Ach, es ist einfach ein total anderes Arbeiten. Nicht nur das Schauspiel an sich, sondern auch die Herangehensweise. Im Theater probt man und hat dann einen live Auftritt, eine Momentaufnahme. Im Film da probt man halt nicht wirklich, das Ergebnis bleibt aber für immer da. Im Theater hatte ich auch mal Blackouts. Einmal ist es passiert, dass ich den Text vergessen habe und in dem Moment auch die Souffleurin nicht weiterwusste. Während einer Aufführung! Klar, auf der einen Seite ist das unangenehm, auf der andren Seite hingegen würde ich es als Zuschauer charmant finden und mir denken, dass es jedem passieren kann. Es zeigt einfach meine Menschlichkeit.

Könntest du dir vorstellen auch eigene Theaterstücke aufzuführen?

Ja, auf jeden Fall. Was ich mir aber nicht vorstellen könnte, ist ein Stück zu schreiben, jedenfalls nicht gerade. Wenn ich versuche zu schreiben, habe ich eine totale Blockade. Zum Beispiel könnte ich mir aber vorstellen etwas zu inszenieren. Oder eine Performance zu machen und zu einem bestimmten Thema, mit verschiedenen Künstlern etwas auszuprobieren und so einen Abend gestalten. Performance bedeutet, kein geschriebenes Stück zu inszenieren, sondern sich ein neues Thema auszusuchen, zum Beispiel Frauenrechte. Das wäre auch ein Thema, mit dem ich als Frau andocken könnte. Anschließend würde ich gemeinsam mit den anderen Künstler*innen Informationen sammeln, erzählen und ausprobieren, ohne während der Arbeit genau zu wissen wohin es führt. Das Format gibt es auch bereits am Staatstheater Mainz unter dem Titel Nachtschicht.

Welchen Tipp würdest du denn jemandem geben, der gerade erst angefangen hat zu schauspielern?

Ich bereite nebenbei angehende Schauspieler*innen auf die Aufnahmeprüfung an Schauspielschulen vor. Denen gebe ich immer den Tipp, das zu machen, wovon sie selbst überzeugt sind. Genau dann ist man am authentischsten und Authentizität ist eine große Stärke. Man sollte niemals einem Bild hinterherjagen, von dem man denkt, wie man sein sollte oder wie Schauspieler sein sollten. Sondern vielmehr sich selbst hinterfragen; wer bin ich eigentlich und was möchte ich sein? Dann hat man eine eigene Kraft erschaffen, die jeden in den Bann zieht. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, sich selbst kennenzulernen.

 

In welchen Vorstellungen kann man dich in der nächsten Zeit am Staatstheater Mainz sehen?

Durch Corona sind leider einige Vorstellungen weggefallen, wie zum Beispiel Hexenjagd. Ein Stück, das ich wahnsinnig gerne gespielt habe. Ich hoffe, dass wir es wieder aufnehmen. Momentan spiele ich in Tage des Verrats mit, einem politischen Thriller. Nächste Woche übernehme ich außerdem eine Rolle in dem Kinder und Jugendstück Krabat. Ich finde aber auch, dass es für Erwachsene sehenswert ist. Am 24. Oktober. 2020 haben wir Premiere für Elektra / Iphigenie. Dort werde ich die Rolle der Elektra spielen. Es ist eine neuartige Aufführung, wie es sie zuvor noch nicht gegeben hat. Die Inszenierung findet durch unseren Hausregisseur Alexander Nerlich statt. In seinen Aufführungen spielt Tanz immer eine große Rolle. Ich werde außerdem mit zwei Masken tanzen müssen. Eine davon ist eine Corona Maske. Es muss aber so sein, weil wir nur unter den vorgegeben Regeln aufführen dürfen. Das wird auf jeden Fall eine Aufgabe, aber ich freue mich riesig darauf!

Außerdem hat Elena mir erzählt wie sie mit Lampenfieber umgeht und wie es ist, in einer
Beziehung zu sein und für den Job öfter umziehen zu müssen. Das Interview könnt ihr hier bald in voller Länge hören.