IM INTERVIEW: DV HVND

01.05.2020 (Interview: Julia Dreja)

Bereits seit acht Jahren existiert die Punkband DV HVND aus Wiesbaden. Kurz vor dem Erscheinen ihres dritten Albums „Bollwerk“, haben wir das Herrenquartett zum Interview gebeten und sprachen über Latein, Beschimpfungen und ihre politische Ausrichtung.

 

Als eine Mischung aus „hohen Geschwindigkeiten mit Rockgitarrensoli, gemischt mit stumpfen Riffs, die aber trotzdem melodisch sind“, beschreibt die Wiesbadener Punkrockband DV HVND ihren Musikstil. Geprägt wurden die Musiker durch „NOFX und den 90er SoCal Punk/FatWreckChords-Sound“, in ihrem eigenen Sound versuchen sie natürlich ein gewisses Maß an Eigenständigkeit zu haben. Dennoch sehen die vier Jungs sich ganz klar als deutschsprachige Punkband, wenn auch mit amerikanischen Einflüssen und einem angedeuteten Metal-Anteil.

 

DV HVND, das sind Sebi (Gesang, Gitarre), Yannick (Leadgitarre), Rüdi (Bass) und Julian (Schlagzeug), die bereits seit dem Jahre 2012 gemeinsam Musik machen. Und das vor allem, weil sie Spaß am „Krach machen“ und Konzerte geben haben. Ihr mittlerweile drittes Album erscheint Anfang Juni, unter dem Label Last Exit Music.

 

Wie seid ihr auf den Namen DV HVND gekommen?

 

Julian: Wir haben ursprünglich gar nicht lange darüber nachgedacht. DV HVND ist ja eine klare Beschimpfung und wir fanden es gut, dass wir Leute beschimpfen können. Als Punkrockband darf man ja provokativ sein und dabei waren wir in einem Geisteszustand, in dem wir das locker gesehen haben. Jetzt leben wir damit.

 

Ihr habt dabei die „u`s“ durch „v`s“ ausgetauscht? Hat das eine besondere Aussage?

 

Julian: Ich habe das angeregt, da das eine Referenz zum Lateinischen ist, denn die Lateiner hatten kein “u”, sondern nur ein “v”. Eigentlich kommt das Ganze aus dem Metal-Bereich, denn dort ist das sehr beliebt und wir wollten das in den Punkrock tragen. Das hat zumindest zu einem Haufen Fragen geführt.


Yannick: Daran merkt man natürlich auch, dass wir sehr gebildet sind, da es ja aus dem Lateinischen kommt und gleichzeitig auch noch eine Beleidigung, direkt im Bandnamen, vorhanden ist.
 

Julian: Das stimmt, das ist ein schöner Kontrast. Die Referenz zum Lateinischen einerseits,

andererseits eine primitive Beschimpfung.
 

Sebi: Und dass es letztes Jahr zum Jugendschimpfwort des Jahres gewählt wurde, soweit ich

weiß, ist auch noch ganz schön.
 

Yannick: (lacht) Das spielt uns natürlich in die Hände…

Seit wann gibt´s DV HVND? Wie ist eure Bandgeschichte?

 

Sebi: Wir haben uns 2012 gegründet und 2013 unser erstes Album veröffentlicht.
 

Rüdi: Unser erstes Konzert haben wir vor sieben Jahren gehabt.
 

Julian: Wir kannten uns vorher schon und das auch sehr lange, da unsere Homebase das

Jugendzentrum in Idstein war.
 

Sebi: Wir haben eine sehr lange Geschichte und deswegen war es ein ganz natürlicher Weg, dass wir uns zusammenfinden und diese Band formieren. Das ist auch echt schön, denn wir sind nicht ein Haufen zusammengewürfelter Leute, die sich gedacht haben, wir machen mal zusammen Musik, sondern wir sind einfach echt verdammt gute Kumpels, die ´ne ziemlich geile Band gestartet haben.

Wer schreibt die Texte für eure Songs und was inspiriert euch dabei?

 

Sebi: Das wäre dann wohl ich. Zumindest meistens. Oft ist es so, dass ich von den anderen

Jungs so ein paar Wortfetzen hingeworfen bekomme und dann daraus irgendwas schraube.

Die Texte sind oft ein Spiegel dessen, was mich gerade umgibt, was mich gerade interessiert

und umtreibt. Das wird dann irgendwie in Lyrik verwurstelt.

 

Die Songs „Wozu es zerreden“ oder „Der Gaul“ von eurem neuen Album haben eine politische Aussage. Fließt das allgemeine politische Geschehen in eure Texte ein?

 

Sebi: Ja natürlich. Wobei wir und ich schon ein wenig aufpassen, dass es kein hohles

Phrasengedresche oder so gängige Standard-Punkrockthemen sind, sondern eine gewisse

Relevanz haben. Es hat auch wenig damit zu tun, ob es gefällt oder nicht, sondern es geht

darum wie es ist.

 

Julian: Ich finde das jetzt interessant, denn ich schätze uns gar nicht so als politische Band

ein. Mein Eindruck war immer, dass unsere Texte persönlicher Natur sind, also hauptsächlich

die Themen, die den Sebi bewegen. Oder wie ist das: Sind wir eine politische Band?

 

Sebi: Wir sehen uns selber gar nicht so politisch, wie wir sind. Aber dadurch, dass unsere

Gesinnung und alles was wir vertreten als Punkrockband, sich eher im linken Spektrum

abspielt, haben wir auch immer kritische Texte. Wir schreiben über das Zeitgeschehen und

darüber was uns aufregt.

 

Yannick: Wir sind nicht so eine politische Band, wie beispielsweise Alarmsignal, bei denen die

Texte sehr eindeutig und sehr plakativ sind. Das ist nicht der Stil, in dem Sebi gerne Texte

schreibt, sondern er arbeitet lieber mit Metaphern und Bildern. Das Direkte, was natürlich auch

seine Berechtigung hat, ist für uns nicht so interessant.

 

Rüdi: Ich würde schon sagen, dass wir eine politische Band sind. Ich würde nicht sagen, dass

wir im luftleeren Raum agieren, aber es äußert sich nicht in dem Maße in unseren Songs, wie

bei Bands wie Alarmsignal oder ZSK. Aber ich bezeichne uns alle als politische Menschen, die

politisch interessiert sind und auch eine Meinung haben.

 

Julian: Ich finde das gerade ganz lustig, wie sich das in diesem Interview entwickelt und dass

wir uns da selber mal hinterfragen. Aber das tun wir ja ständig.

Yannick: Dann kommt auch mal ein Song, wie „Der Gaul“ raus, der kapitalismuskritisch ist.

Aber es gab keine Richtung, die wir uns selber vorgegeben haben.

 

Julian: Wir sehen uns gar nicht in der Lage, komplexe politische Messages in zwei Minuten

durchzuballern, wie das andere Bands sehr gut können. Als Punkrockband haben wir durchaus

politische Elemente, aber uns fehlt einiges, um uns als wirklich politische Band zu bezeichnen.

 

Euch gibt es bereits seit einigen Jahren, da habt ihr ja bestimmt schon einige Live-Auftritte gehabt. Könnt ihr mir eure beste und schlechteste Geschichte davon erzählen?

 

Julian: Das beste Konzert war definitiv in Sankt Ingbert im Saarland, denn da haben wir mit

Fahnenflucht gespielt, die wir auch persönlich total super finden. Und da sie eine bekannte

deutsche Band sind, haben auch wir vor einem nennenswerten Publikum gespielt. Wir spielen

sonst auch mal vor 10 bis 20 Leuten, aber zusammen mit Fahnenflucht war das Haus voll.

Super Sache!

 

Yannick: Das selbstverwaltete JUZ in Sankt Ingbert ist auch in einem schönen Haus, einer

alten Villa, ein bisschen wie die Oettinger Villa in Darmstadt, mit viel Platz zum Abhängen.

Sebi: Das Konzert war nicht nur wichtig, weil wir da mit Fahnenflucht gespielt haben, es wurde

von Mike Lambert organisiert, der dafür sorgt, dass unser neues Album vertrieben und auf

seinem Label released wird. Das war auch zum Kontakte knüpfen und Zukunftspläne

schmieden sehr wichtig für uns.

Und welcher war euer schlechtester Auftritt?

 

Julian: Wir haben, ich glaube im Jahr 2014, in Köln gespielt und zwar auf dem Sommerfest auf

dem Bauwagenplatz “Schöner Wohnen”.

 

Sebi: Das Gelände war wunderschön, die Location war der Hammer, ein wenig wie das Nimmerland…

 

Julian: Aber es war unser schlechtester Auftritt, weil wir so dermaßen schlecht gespielt haben, da alle schwer betrunken waren, bis auf den Sebi, der musste fahren.

 

Yannick: Unser Auftritt hat sich auch stark verzögert. Wir sollten ursprünglich gegen 22 Uhr auf die Bühne, aber wie es bei manchen dieser Konzerte so ist, ist die Organisation nicht ganz

so straff und unser Auftritt war erst nach 1 Uhr nachts.

 

Julian: Die Bühne sah zwar sehr cool aus, aber sie war schief. Sie war eher wie so ein Trampolin, denn wenn man sich auf der Bühne bewegt hat, sind uns die Instrumente und die Boxen mehrmals umgefallen. Aber wir wollen da wieder spielen! Also, wenn die aus Köln das lesen: Ich habe euch E-Mails geschickt!

 

Rüdi: Vor allem haben wir nach dem Konzert schnell eingepackt und sind einfach geflüchtet. Wir waren so gegen 13 Uhr da, weil wir dachten, dass es ein ganz cooles Festival wäre, auf dem man gut abhängen kann. Aber es war leider gar nix los. Wir waren etwa zwölf Stunden, bevor wir auf der Bühne standen da und mussten irgendwie den Tag rumbringen...

 

Auf eurer Facebookseite habt ihr eure musikalischen Einflüsse aufgeschrieben und da stehen Namen wie Fahnenflucht, Totenmond, Van Halen und Motörhead, aber auch Dr. Alban. Das müsst ihr mir mal erklären.

 

Yannick: Der Julian schreibt manchmal kuriose Sachen in unser Facebookprofil.

 

Julian: Ich habe gehofft, dass das jemand von euch erklären könnte. Tatsächlich habe ich wahrscheinlich den Dr. Alban da rein gesetzt.

 

Sebi: (lacht) Ja, du hast den da rein gesetzt. Aber wahrscheinlich aus Doktor “Albern”- Gründen.

Julian: Das ist eine humorvolle Referenz, aber man kann nicht ernsthaft behaupten, dass wir von Dr. Alban beeinflusst sind, denn dann würden wir uns wahrscheinlich anders anhören. Wir sind aber nun mal Kinder dieser Zeit und ich glaube wir finden ihn alle lustig. Also, wenn das ein Einfluss von uns ist, dann auf einer sehr abstrakten und höher gestellten Ebene. Musikalisch kann man den nicht wirklich gut finden.

Yannick: Auch wenn das wirklich nicht ausgeschlossen ist, für die Zukunft…

Rüdi: Das war aber tatsächlich einer meiner ersten Musikkassetten. Die hat mir meine Tante

geschenkt und kurz danach auch noch das Album von “2unlimited”. Aber die sind irgendwie

weggekommen. Leider…

 

Ihr veröffentlicht bald euer neues Album. Erzählt mir mal davon. Wann erscheint es?

 

Yannick: Es erscheint am 5. Juni, aufgenommen haben wir es aber schon letztes Jahr im Sommer. Der Erscheinungstermin hat sich ein bisschen in die Länge gezogen, weil wir es diesmal richtig gemacht haben. Denn es erscheint unter dem Label “Last Exit Music” und wir

 werden es auch auf Vinyl veröffentlichen. Wir machen das nicht mehr selber, wie bei unseren

letzten Alben, deshalb hat es länger gedauert, die ganzen Leute an Bord zu holen und Alles zu

organisieren.

Habt ihr Konzerte geplant in Zukunft, vor Allem um euer Album zu releasen?

 

Sebi: Natürlich wollen wir ein Releasekonzert machen, aber da müssen wir erst mal gucken,

wie sich die Lage aufgrund von Covid-19 entwickelt.

 

Julian: Wir haben aber bereits Konzerte geplant, eins davon wird in Hamburg sein. Aber ich

darf noch nicht verraten wo und mit wem das sein wird, denn das wird schrittweise aufgelöst.

Sobald es geht werden wir natürlich wieder spielen!

 

Yannick: Wenn das jemand liest, der eine Band hat oder zur Kreativfabrik, dem Kulturpalast

oder dem Schlachthof gehört und Bock hat, mal mit uns zusammen ein Konzert zu machen,

dann meldet euch!

 

Vorab zwei Songs aus dem neuen Albums „Bollwerk“ von DV HVND zum anhören:

https://www.youtube.com/watch?v=atBvwuwYrr0

https://www.youtube.com/watch?v=qsaCqzmPKJE&t=

DV HVND auf...
Facebook: https://www.facebook.com/DvHvnd,

Bandcamp: http://dvhvnd.bandcamp.com/

Vinyl: https://lastexitmusic.limitedrun.com/

Steckbrief

 

Seit wann beschäftigt ihr euch mit Musik?:

Als Fans seit unseren Teens (vorher natürlich Blockflöte und so),
als "Musiker" seit unseren späteren Teens, als DV HVND seit 2012. Unser Leben lang!

 

Wer hat euch geprägt und wer inspiriert euch?:
WIZO, Untergangskommando, Fahnenflucht,

Bums, Rawside, die Bands vom Knochenfabrik-Claus. Und Slayer, und Rush.

 

Wiesbaden ist für uns:
Als Band unser Zentrum.

 

Lieblingsort (Wiesbaden):

Im Sommer ist der Weg, vom Hauptbahnhof über den Schlachthof zu unserem Proberaum, oft ein bereicherndes Erlebnis.

 

Ausgehtipp:

das Tag.Werk oder die Kreativfabrik in Wiesbaden, das Haus Mainusch in Mainz.

 

Fun Fact:

Rüdi´s Mutter ist Musiklehrerin und Sebi war ihr Schüler. Sie hat somit indirekt unsere Band beeinflusst. Welche Note Sebi in Musik hatte, wissen wir nicht!

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