IM INTERVIEW: DR. JOHNSON

01.06.2020 (Interview: Jannek Ramm)

“Die einzige Konstante, die sich durch's Leben zieht, war, ist und bleibt, die Liebe zur Musik“ rappt Dr. Johnson aus Mainz. Und anstelle einer Vorstellung, lieber noch ein weiteres Zitat: „Hier kommt die Mischung aus Ghandi und Crocodile Dundee“. Ein Gespräch über Window Color, Jazz, Meta-Ebenen und warum man auch mal übers Angeln rappen könnte.

 

Herr Johnson, wie bekommt man einen Doktortitel im Rap?

Einen Doktortitel kriegt man, wenn man sich für Wortspiele, Lyrik und Poesie interessiert. Das soll aber gar nicht so hochgestochen klingen. Es ist in erster Linie eine Anspielung an die NBA Legende Dr. J. Ich bin ein großer Basketball-Fan und Dr. J war früher auch mein ICQ Name. So hat das eine dann zum anderen geführt.

 

Man hört in deinen Songs einen klaren Bezug zum früheren deutschsprachigen Rap, wie sah deine erste Berührung mit Hip Hop aus?

In erster Linie war es die Mucke meines großen Bruders, dem habe ich viel von meinem Geschmack zu verdanken. Wir kommen aus Heidelberg und da ging es erstmal deutschsprachig los mit Torch, den Stieber Twins und Toni-L. Ich wurde dann relativ schnell Samy Deluxe Fan. Gerappte Texte haben für mich immer so eine Wahrheit gehabt, als kleiner Junge, und jetzt auch noch. Ich sehe mich da als kleiner Junge, wie ich Window Color gemalt und nebenbei Samy Deluxe Alben gehört habe. Irgendwann konnte ich sie dann, ohne es zu merken, auswendig.

Was hälst du davon, was seit diesen Tagen mit dem Hip Hop passiert ist? Dass Rap zum Beispiel Rock als Hauptader der Popmusik abgelöst hat?

Ja, Hip Hop ist natürlich schon mehr in den Mainstream gerutscht und auch kapitalistischer geworden, ich verschränke mich aber auch nicht dagegen. Ich feier die neuen Sachen genau so. Es gibt immer Bullshit und geilen innovativen Scheiß. Ich bin keiner, der sagt, es muss immer Oldschool sein. Ich höre auch Haftbefehl, aber immer auch noch alte Beginner Sachen. Jetzt gibt es ja auch eine neue Conscious-Welle mit Döll und Doz9 und sowas, das feier ich auch.

Wie stehst du zu Ironie und dem Argument, dass man auf einer Metaebene Sachen sagen kann, die ohne Ironie und Meta anstößig, rassistisch, sexistisch oder Ähnliches wären?

Ein Rapper ist ja kein Pädagoge. Ein Rapper ist eine Kunstfigur, die jemand kreiert hat. Klar hat ein Künstler eine gewisse Verantwortung und es gibt Grenzen, die von Beispiel zu Beispiel individuell gezogen werden müssen. Aber Kunst muss alles dürfen. Das Problem ist nur, dass Rapper so viel Popularität haben und Vorbilder für Jugendliche sind, dass das manchmal kollidiert. Ich denke, man sollte dem Publikum aber zutrauen, damit umgehen zu können, dass das gerade ein Rapper sagt, und nicht ein Politiker oder jemand anderes.

Deine Beats sind sehr jazz-lastig, ist das auch ein Einfluss? Der Jazz?

 

Ja total. Ich bin generell Musikliebhaber und höre Rap mittlerweile sogar relativ wenig, auch wenn das mein Medium ist. Ich höre viel Jazz, viel Soul, viel Blues und bin auch ein großer Country Fan. Also, alles was organisch klingt, feier ich irgendwie. Diese Jazz-Ästhetik finde ich in Beats natürlich geil. Ich mache die Beats aber auch nicht selbst. Die produzieren Freunde von mir, die zum Teil auch Jazz studieren. Momentan arbeite ich aber auch an neuen Sound Ideen.

In welche Richtung geht das? Würdest zum Beispiel was mit Autotune machen?

Autotune ist auf jeden Fall ein Stilmittel, das man beherrschen muss. Ich habe mich noch nicht so richtig rangetraut, aber ich verneine das auch nicht. Die neuen Sachen gehen in Richtung Trap-Sound. Ich versuche die Stile zu vereinen, also ein jazziges Sample mit nem Trap Sound und inhaltlich sehe ich meine Hauptaufgabe darin, neue Themengebiete zu entdecken. Es gibt so viele Themen, über die nicht gerappt wird.

Was könnten das für Themen sein?

 

Ich rappe über Themen, die mich persönlich tangieren. Das muss nicht immer diese Battle-Rap Attitüde sein. Ich versuchen Themen zu kombinieren, ein bisschen philosophisch, ein bisschen Battle-Rap, ein bisschen gesellschaftskritisch und ein bisschen den eigenen Struggle verarbeiten. Momentan geht es in meinen Texten viel um Entschleunigung und Medienkritik, um mal von den Internet-Insta-Bubbles weg zu kommen. Ich bin auch gerne draußen in der Natur, gehe wandern oder Kajak fahren oder angeln. Warum nicht auch mal darüber rappen?

 

Wenn du dann Alben machst, wie das aktuelle Album „Larry“ zum Beispiel, wie gehst du da vor?

 

Das Konzept ergibt sich immer während der Arbeit, wenn ich merke, da gibt es einen Faden. Bei den Texten sind es natürlich die besten Sachen, die ich nehme, es ist aber auch immer anders, wie die Texte dann auf einem Beat wirken. Da habe ich auch gelernt loszulassen und nicht jede Idee gleich auf ein Album zu packen. Auch lieber mal zu filtern und auf die innere Intuition zu hören. Bei „Larry“, das ist ja mein zweites Ding, habe ich gemerkt, dass da „Coming Of Age Story“-mäßig viele Erinnerungen hochkommen, aus der Jugend, aus der Familie und aus Erlebnissen mit Freunden. Das war dann die Identität des Larry, der die eine Seite hat, die struggelt, aber auch die andere Seite, die dankbar ist und das Leben genießen kann.

 

Mir ist ein Song aufgefallen, da rappst du über deine Einflüsse, viel über Hip Hop, aber es kommen auch die Stones und Jim Morrison vor.

 

Du meinst Audiophil?

Ja, genau. Hast du auch Ambitionen, ich sag mal, handgemachte Musik zu machen?

Ich muss sagen, Audiophil ist ein Song, den spiele ich live immer als letztes. Der ist so ein bisschen der beliebteste Track, was das Feedback der Leute angeht. In dem Track geht es einfach um die Liebe zur Musik. Außerdem bin ich auch Schlagzeuger. Seit neustem spiele ich in einer Bluesrock Band. Es macht Spaß, da ein bisschen im Hintergrund zu sein. Beim Texten geht es ja mehr um meine persönlichen Sachen, aber in einer Band zu spielen ist nochmal ein ganz anderer kreativer Prozess.

 

Aber glaubst du, dass das auch zusammenhängt? Schlagzeug ist ja auch ein rhythmisches Instrument, wie Sprechgesang auch.

Ja, es hat mir auf jeden Fall geholfen den Takt kennenzulernen, auf dem Beat zu sein, da hilft Schlagzeug spielen beim Rappen natürlich immens. Also hängt das auf jeden Fall zusammen und hat sich gegenseitig beeinflusst.

Im ausführlichen Gespräch haben wir noch über Live-Auftritte, die Rap-Szenen in Mainz und Wiesbaden und über seine Musikvideos gesprochen.

Das aktuelle Album „Larry“ gibt es hier.

DAS AUSFÜHRLICHE INTERVIEW ZUM NACHHÖREN

DR. JOHNSON - FELA KUTI
(MUSIKVIDEO)